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Rezensionen Helga König

Rezension: Vom Mann, der auszog um den Frühling zu suchen- Eine Reise zur Leichtigkeit- Clara Maria Bagus

Clara Maria Bagus, die Autorin dieses klugen Textes, der sich als poetisches Märchen für Erwachsene präsentiert, hat in den USA und in Deutschland Psychologie studiert. Ihr beruflicher Weg führte sie durch zahlreiche Länder. Diese Tatsache schlägt sich in einer erfreulichen Offenheit nieder, die sich durch die gesamte Geschichte zieht. 

Es war Ludwig Bechstein, der einst das "Märchen von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen" geschrieben hat. An den Inhalt kann ich mich nur noch vage erinnern, wohl aber an das Gruseln, das mit dieser Lektüre verbunden war. 

Das poetische Märchen "Vom Mann, der auszog um den Frühling zu suchen" von Clara Maria Bagus mit dem Untertitel "Eine Reise zur Leichtigkeit" könnte stattdessen auch heißen, "Von einem, der auszog, das Träumen zu lernen". 

Woran man sich hier später erinnern wird, ist vermutlich an das mit der Lektüre verbundene Staunen, wie geschickt die Autorin dem Leser zu vermitteln vermag, dass wir ohne unsere Träume keine Paradiese aufzubauen in der Lage sind, sondern stattdessen in einer öden Winterwelt leben, in der es nichts Buntes gibt und nirgendwo ein Vogel uns die Geschichte unserer inneren Freiheit vorzwitschert. 

Auf dem schön gestalteten Buchumschlag sehen wir das laubleere, winterliche Geäst eines Baumes und die Silhouette eine Vogels. Dieser ist aus dem Umschlag exakt herausgestanzt. Das geschah gewiss nicht grundlos, denn es handelt sich um das Zaubervöglein, das in der vorliegenden Geschichte eine wesentliche Rolle spielt und für die Buntheit und das Licht in der Natur sorgt, ohne das wir nicht kreativ sein können und nicht auf die Reise hin zu unseren Möglichkeiten gehen. 

Bei dem Protagonisten in diesem Buch handelt es sich um einen Mann, der von seinem Fenster aus in eine trübe, ihn wenig heiter stimmende Winterwelt blickt und hier wahrnimmt wie ein Vogel zu zwitschern beginnt, woraufhin plötzlich alles grünt und die Blumen üppig erblühen. Der Mann fragt nicht, was er von diesem ungewöhnlichen Naturschauspiel halten soll, wertet also nicht, sondern staunt stattdessen. Als der Vogel wegfliegt, kehrt erneut Winter zurück. 

Neugierig verlässt, der  Staunende sein Haus. Er folgt dem Zaubervogel und lernt auf seiner langen Reise zu sich selbst, worauf es in diesem Leben tatsächlich ankommt. Der Reisende lernt also nicht durch Bücher, sondern durch aufmerksames Beobachten all dessen, was ihm entgegengebracht wird. Bei einem Müller begreift er, dass das "Herausklopfen der Essenz" und das "Einfangen des Wesentlichen" wichtige Tätigkeiten sind, wenn man erkennen möchte. Der Müller auch lehrt ihn loszulassen, denn nur,  wer Zuversicht in sein Leben bringe, könne gelassen sein. 

Auf der Suche nach dem Zaubervogel, der den Schlüssel für eine bunte Welt darstellt, lernt er zu begreifen, dass man seinen Weg stets im Auge haben muss, sich nicht schrecken lassen darf, wenn man sich einmal verlaufen hat, denn "Wenn Dir ein Weg verschlossen ist und du glaubst, in deinem Leben nicht vorwärtszukommen, dann dreh dich um und sieh, welche Weite sich vor Dir eröffnet. Niemals im Leben wird Dir so viel versperrt sein, dass nicht noch unendlich mehr Möglichkeiten auf dich warten." 

An vielen Beispielen, allesamt wohldurchdacht, lernt der Mann das Geschenk der Möglichkeiten kennen und zu begreifen, warum man Mut, Klugheit und Ausdauer benötigt, die für uns richtige Chance zu ergreifen. 

Wodurch vergisst man seine Träume? Ist es die Gewohnheit? Und was geschieht mit uns, wenn wir unsere Träume vergessen haben und ziellos sind? Wir wissen es und wissen auch, weshalb wir das Bunte nie aus dem Auge verlieren dürfen, wenn wir leben und nicht frustriert sein wollen. Und doch verdrängen wir es. Das ist nicht klug von uns.

Die Autorin reflektiert den Vergleich und den Neid, die daran hindern, eine Reise zur Leichtigkeit zu unternehmen und zeigt am Beispiel eines kleinwüchsigen Konditors, der neidlos seinen Weg gegangen ist, zu welch großem Erfolg er gelangte. "Vergleichen und Bewerten hält uns davon ab, die Welt so zu sehen, wie sie ist. Nichts ist gut oder schlecht. Keine Sache der Welt hat jenseits unserer Bewertungen Eigenschaften.“  

Über Geiz, Geld und Gier vergisst die Autorin auch nicht zu schreiben und über das, worauf es im Leben eines Menschen tatsächlich ankommt und was ihn auf seinem Weg zur Erkenntnis und zur inneren Zufriedenheit weiterbringt. "Wer Reichtum von Besitztümern erwartet, die von äußeren Einflüssen abhängig sind, lebt in ständiger Sorge, sie zu verlieren. Was in uns selbst liegt, kann uns niemand nehmen.“  

Solche Erkenntnisse in ihrer Tiefe zu begreifen, ist nicht nur Nonnen und Mönchen möglich, sondern auch jenen, die auf der Reise zu Leichtigkeit ihren Selbstwert erfasst haben und sich nicht mehr vom Bewerten durch Dritte abhängig machen. 

Weniger über Glück als über Sinn nachdenken und uns bewusst machen, dass wir alle sterblich sind, bewirkt die Demut, die notwendig ist, um immer wieder staunen zu können über die „Aromen des Lebens“

"Nur, was wir täglich im Hier und Jetzt Sinnvolles schaffen, besitzen wir für immer", schreibt Clara Maria Bagus in ihrer Reise durch die Leichtigkeit, weil Sinnvolles Liebe stiftet in uns und in anderen. Die Liebe allen und allem gegenüber hilft der Starre zu entkommen und zu erkennen, dass unser Leben stimmig sein muss. 

Unser Leben "muss zu uns passen wie ein Lederhandschuh auf eine Hand. Dann ist es echt. Das ist die Kunst des guten Lebens."  

Um zu dieser Weisheit zu gelangen, ist es nie zu spät und ebenfalls ist es niemals  zu spät, sich auf den Weg zu machen, um das passende Leben zu finden, denn mitunter entdeckt man es gerade jetzt, wenn man die Augen offen hat und dem Zwitschern seines Herzens folgt. 

Sehr empfehlenswert

 Helga König

Die Zitate stammen aus vorliegendem Buch.

Überall im Fachhandel erhältlich

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Rezension: Jean- Aus dem Sternenstaub- Roman - Gert Weber

Autor dieses wunderbaren Romans ist der in München lebende Architekt, Designer, Schriftsteller und Künstler Gert M. Weber. Das Vorwort zum Buch schrieb Prof. Joachim Kaiser. Er zählt zu den einflussreichsten, deutschsprachigen Musik-, Literatur- und Theaterkritikern und ist Mitglied im PEN-Zentrum. 

Eine solche hochkarätige Empfehlung macht natürlich per se neugierig und man beginnt beim ersten Blättern sich sogleich zu wundern, weshalb das gebundene Buch keine ISBN- Nummer aufweist und nicht bei einem großen deutschsprachigen Verlag verlegt worden ist. Wie kann das sein? 

Gert Weber vermarktet sein mehrbändiges Werk auf seiner Facebookseite Transformation und auf seiner Homepage weber-standard, weil er seinen Text ungekürzt und damit authentisch seinen Lesern übermitteln möchte. Er geht also keine Kompromisse ein, hat ein gesundes Selbstbewusstsein und ist im positiven Sinne eigenwillig. Warum das so ist, versteht man spätestens sobald man sich mit seinen einzigartigen Objekten im Bereich Design näher befasst hat. Hier legt ein Künstler Wert darauf, unvergleichbar zu sein und dem Gleichen als Zeitzeichen unserer Zeit die kalte Schulter zu zeigen. Sehr sympathisch. 

Der Untertitel "Aus dem Sternenstaub" ließ mich sogleich Poesie im Roman vermuten. Sie ist auch tatsächlich in vielen Textstellen problemlos auffindbar, wenn auch das Werk in seiner Gesamtheit sehr viele nüchterne betriebswirtschaftliche, auch systemkritische und philosophische Überlegungen aufweist. 

Der Protagonist Gert Webers heißt "Jean“. Ob er Ähnlichkeiten mit dem Autor besitzt, muss man als Leser des Textes nicht wissen und braucht  insofern nicht kriminalistisch aufzuspüren, was wahr und was erfunden ist. Oft ist das Erfundene ein Schlüssel für die Wahrheit, die nach Harmonie schreit, um sich in ihrer Tiefe präsentieren zu können. 

Auf Seite 207 erwähnt Weber, dass Einstein irgendwann sagte, der Mensch sei aus Sternenstaub geboren, "was ihm tief in die Seele rieselte." Sternenstaub beschwert die an sich schwerelose Seele eines Menschen demnach und das scheint unser aller und  damit  auch "Jeans" Problem zu sein.

Er versucht dieses leidige Problem für sich immer wieder zu lösen, indem er selbst bei schlimmen Tiefschlägen das Leben wie es ist annimmt und das Beste daraus macht. Jean ist vieles, jedoch eines in erster Linie: Unglaublich resilient. 

Seine Vorfahren kommen aus Siebenbürgen. Er ist Kind von Eltern, die sich liebten. Das ist wohl die Grundvoraussetzung, wenn der Nachwuchs innere Stärke entwickeln soll. Jeans Großvater, ein Rechtsanwalt mit Weitblick und Herz, zahlt seinem mittellosen, allerdings intelligenten Schwiegersohn (er ist Schlosser) ein Studium, damit die zukünftige Familie gut versorgt ist und ein gesellschaftliches Standing erhält. Das jung vermählte Paar geht nach Westpreußen, wo Jeans Vater eine Anstellung als Ingenieur bekommt. 

Jean wird nach dem Krieg im Westen geboren, sammelt Kindheitseindrücke in den 1950er Jahren, ist zu neugierig und zu freiheitsliebend,   als dass er damals in der noch nicht verarbeiteten NS-Zeit ein braver und dabei fleißiger Schüler von autoritären Lehrern sein kann. Er will die Welt erkunden, zunächst die kleine, später die große. Dass es gerade Geographie ist, die das Aus am staatlichen Gymnasium bedeuteten sollte, nennt man wohl Ironie des Schicksals. 

Es folgte eine Zeit in einer Privatschule und seine frühe Jugend in den 1960er Jahren. Der Autor berichtet von der Freude der Erwachsenen damals im Freundeskreis ausgelassen und vergnügt zu feiern. Es waren offenbar speziell Flüchtlinge, denen die heimatliche Gastfreundschaft erhalten geblieben war. Diese Eindrücke haben sich in Jeans Gedächtnis eingeprägt und sind Teil seines Lebensgefühls geworden. 

Jean bricht nach der Mittleren Reife die Schule ab und beginnt,  nachdem er die Voraussetzungen dafür erfüllt hat,  im Herbst 1966 in München an der Fachhochschule Maschinenbau zu studieren. Weber schreibt nun vom Aufbruch der Studenten in jenen Jahren. Doch Jean, der nachts als Taxifahrer sein Studiengeld aufstockt, ist kein vordergründig politischer Student. Sein Interesse gilt nicht der politischen, sondern der sexuellen Revolution und so schreibt er über Sex in jenen Tagen und die damit verbundenen Abenteuer. Dies zu lesen, ist nicht uninteressant, weil es Zeitgeist perfekt wiedergibt. Wer die Autobiographie Uschi Obermaiers gelesen hat, weiß, dass Weber hier nicht übertreibt. 

Irgendwann begegnet Jean seiner ersten Liebe. Sie ist älter als er, hat zwei Töchter. Bei ihr findet er all das, was er benötigt, um sich weiterzuentwickeln und nach seinem Fachhochschulstudium ein Hochschulstudium als Architekt zu absolvieren. Die um einige Jahre ältere Frau verlässt ihren Mann und so geschieht es, dass sich ihre Verliebtheit "über Monate in Liebe und ihre Seelen in synchrone Schwingungen" verwandeln, "die die Empfindung immer sensitiver machen.".

Was dann kommt ist großer Erfolg, Bekanntheit aber auch enorme Lebensbrüche und als Folge Transformation, die nur möglich ist, weil Jean kein bloßer Macher, sondern ein Feingeist zu sein scheint. 

Einer seiner Freunde, ein Spieler, lehrt ihn die Welt zu durchschauen und sein Berufsleben macht ihm begreifbar, dass er von einem Heer von kleingeistigen Parasiten umgeben ist, die danach lechzen, bestochen zu werden. Jean will nicht, dass dieser schmutzige Sternenstaub auf seine Seele rieselt, denn er hat sich dem Hellen, dem Strahlenden, dem Schönen verschrieben und lebt dies in seinen Werken und deren Ästhetik aus. 

Einer seiner Privatkunden ist übrigens der Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt. Er dokumentiert Jean, dass es durchaus noch Menschen gibt, die die Arbeit anderer zu schätzen wissen und frei von Geiz nicht feilschen, um in den Besitz einer guten Leistung zu kommen. 

Es macht viel Freude über Jeans Begegnung mit dem großen Erzähler zu lesen und diese besonderen Stunden, die gewiss auch zu Jeans Transformation beigetragen haben, mitzuerleben. 

An der Verwandlung Jeans teilzunehmen, ist für den Leser mehr als nur spannend. Sätze wie "Man wird nicht alt wegen der einfachen Tatsache, dass man eine bestimmte Anzahl von Jahren gelebt hat, sondern nur, wenn man sein eigenes Ideal aufgibt"(245), besitzen viel Tiefe. Über solche Sätze lässt sich abendfüllend diskutieren. 

Ich stimme Gert Weber zu, wenn er schreibt: "Ihr werdet solange jung sein, wie euer Herz die Botschaft der Schönheit, der Kühnheit und des Mutes aufnehmen wird; die Botschaft der Größe und Stärke, die euch von der Welt, von einem Menschen oder von der Unendlichkeit geschenkt werden." (245) 

"Wenn die Fasern eures Herzens zerrissen sein werden und wenn sich auf ihnen der Schnee des Pessimismus und das Eis des Zynismus gehäuft haben werden, erst dann werdet ihr alt sein und dann möge Gott sich eurer Seele erbarmen.“ (245) 

Dass im Leben eines Menschen nichts Bestand hat, zeigt dieses Buch, aber es macht auch deutlich, dass man lernen muss, bei allem so resilient zu werden, um Hermanns Hesses Worte mutig und vergnügt zu leben, denn nur so bleiben wir jung und voller Zuversicht:

"Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise, 
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen. 

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde 
Uns neuen Räumen jung entgegen senden, 
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden, 
Wohlan denn Herz, nimm Abschied und gesunde!“ 

(Zitat: Herman Hesse, aus dem Gedicht "Stufen".)

Natürlich ist man am Ende des Buches auf den 2.  Band  neugierig. Gert Weber hat diesem den Titel "Artemya" gegeben. Dies schon mal als Hinweis.

Maximal empfehlenswert. 

Helga König

Buchbestellung:  gmw@weber-standard.com

Online:  Kindle Amazon

Rezension: Tagesanbruch- Hans Ulrich Treichel - Suhrkamp

Hans-Ulrich Treichel, der Verfasser dieser Erzählung ist Professor am Deutschen Literaturinstitut der Universität Leipzig. 

Er schreibt von einer bereits betagten Frau, die während der Erzählzeit  ihren toten Sohn in den Armen hält. Wie sie berichtet, ist dieser an Krebs verstorben. Sie hatte den Kranken in ihrer kleinen Wohnung bis zu seinem Ableben gepflegt. Dem Verblichenen erzählt sie all das, was sie zu dessen Lebzeiten ihm niemals mitgeteilt hätte, vielleicht weil es in ihrer Generation unüblich war, negative Erfahrungen anderen zu offenbaren. Die Kriegsgeneration kannte kein Selbstmitgefühl. Man hatte sie gedrillt, hart gegen sich selbst zu sein und stumm alles hinzunehmen, was Folge der Diktatur war. 

Die Mutter erzählt zunächst vom schwierigen Aufbau des Geschäftes nach der Flucht aus dem Osten, das ihr Mann und sie ihr Leben lang geführt hatten, erzählt vom täglichen Verzicht und von der Tatsache, dass sie und ihr Ehemann sich nicht schonten, um wieder auf die Beine zu kommen. Einfach war es nicht, denn ihr Gatte hatte im Krieg einen Arm verloren. 

Die Ich-Erzählerin berichtet auch von den kleinen Freuden, den ersten Sammeltassen, dem ersten Kostüm, dem ersten Wohlstand, der sich im Kauf eines Elektroherdes und eines Klaviers, das für den Sohn  gedacht war, zeigte. Über all den Momenten der Freude aber lag ein spürbarer Schatten und der begründete sich in ihrer Vergewaltigung zu Ende des Krieges durch drei russische Soldaten. 

Ihr Gatte musste  diese mehrfache Vergewaltigung  mit ansehen und konnte die Gedemütigte nicht retten. Die schüchterne Frau verführte damals unmittelbar nach diesem Ereignis ihren jungen Ehemann zum Beischlaf, weil sie Angst hatte, aufgrund der Vergewaltigung geschwängert worden zu sein. Sie hoffte, dass im Falle einer Schwangerschaft, es unklar blieb, wer der Vater sei. Naiv wünschte sie, dadurch ihre Beziehung zu retten. 

Wie sich alsbald herausstellte, war sie tatsächlich schwanger. Die Vaterschaft blieb ungeklärt. Der Sohn erfuhr zeit seines Lebens nie von den Geschehnissen seiner Zeugung in der Hölle von Konin im heutigen Polen. Die Tatsache, dass das Paar keine weiteren Kinder bekam, deutet darauf hin, dass die Liebesbeziehung durch die Verdrängung der dramatischen Ereignisse zerbrochen war.

Die trauernde Mutter beichtet selbst dem in ihren Armen ruhenden verstorbenen Sohn nicht ihre Scham, die sie aufgrund der Vergewaltigungen ihr ganzes Leben über hatte, sondern bekennt diese erst als sie das Totenzimmer geschlossen hat. Sie und ihr Mann schämten sich beide des damaligen Ereignisse wegen und verbargen die Scham voreinander. Dadurch konnten sie aber nicht mehr zueinander finden und waren füreinander verloren. Das Kind konnte sie nicht erlösen und zwar des Zweifels wegen, so das späte Bekenntnis der Mutter. 

Man muss sich natürlich die Frage stellen, ob die Frau von ihrem Ehemann in ihrem Trauma allein gelassen wurde als er Jahre später einen Vaterschaftstest erwünschte. Sie verweigerte übrigens den Test. 

Meiner Erfahrung nach führt Ungewissheit in diesen Dingen stets zu angespannter Sprachlosigkeit und unterschwelliger Aggression. Ich kannte eine Familie, die zerbrach an einer solchen Lebenslüge. Offen mit dem was war umzugehen, gibt die Chance für einen Neuanfang. Alles andere bedingt ein Leben in einem Totenhaus. 

Eine sehr berührende, zum Nachdenken  anregende Erzählung. 

Sehr empfehlenswert 

Helga König

Überall im Handel erhältlich
Online: Suhrkamp oder Amazon 

Rezension Peter J. König: Der kleine Prinz - Originalübersetzung von Grete und Josef Leitgeb -Antoine de Saint-Exupéry

Kaum ein Büchlein ist so oft gelesen worden wie "Der kleine Prinz" von Antoine de Saint-Exupéry, dem begeisterten Piloten, Autor und Menschenfreund, der hier versucht hat tiefgründige philosophische Weisheiten in Form von phantastischen Erzählungen allen Kindern und Jung-gebliebenen zu vermitteln. 

Geboren wurde Saint-Exupéry am 29. Juni 1900 in Frankreich. Früh hat er seinen Vater verloren. Fortan waren seine Mutter Marie und seine vier Geschwister seine engsten Anverwandten. Die Fliegerei, damals noch ganz in den Anfängen, sollte ihn zeitlebens in den Bann ziehen. So leistete er in einem Fliegerregiment seinen Wehrdienst, um anschließend 1926 als Pilot die Linie Toulouse-Casablanca zu befliegen. Schon zwei Jahre später wurde er Direktor der Luftpost von Buenos Aires, anschließend wieder Versuchsflieger. 

Zu diesem Zeitpunkt begann Antoine de Saint-Exupéry mit seinen beiden ersten schriftstellerischen Werken: "Südkurier" und  "Nachtflug". Im Jahre 1935 überlebte er den Absturz in der ägyptischen Wüste. Während er auf Rettung wartete, kamen ihm die Inspirationen zu seinem weltbekannten Werk "Der kleine Prinz". Seine Erlebnisse selbst fanden ihren Niederschlag in seinem Buch: "Wind, Sand und Sterne". Im Zweiten Weltkrieg emigrierte Saint-Exupéry in die USA, wo sowohl "Der kleine Prinz" entstand, als auch die Werke "Flug nach Arras" und "Bekenntnis einer Freundschaft", ein als Buch veröffentlichter Brief an seinen Freund Léon Werth. 

Nachdem die Alliierten 1942 in Algerien gelandet waren, trat Antoine de Saint-Exupéry in die französische Armee ein, um am 31. Juli 1944 von Korsika aus zu einem Aufklärungsflug über das westliche Mittelmeer zu starten, einem Flug vom dem der begeisterte Flieger und Autor nicht mehr zurückkommen sollte. Jahrzehnte-lang war nicht klar, ob Saint-Exupery durch Feindberührung oder durch einen technischen Defekt abgestürzt und verschollen war. Neueste Recherchen haben ergeben, dass der Dichter auf der Höhe von Marseille auf ein deutsches Jagdgeschwader traf und durch den Abschuss dort den Tod fand. 

Die Geschichte des Buches "Der kleine Prinz" nimmt seinen Ursprung aus den Erfahrungen die Saint-Exupéry bei seiner Bruchlandung in der ägyptischen Wüste gemacht hatte. Hier beginnt seine Geschichte und hier trifft er unter dem klaren Sternenhimmel den kleinen Prinz, der sich auf der Suche nach einem Schaf von seinem winzigen Planet entfernt hatte, um überall im Universum danach Ausschau zu halten. Dabei war der kleine Prinz in der Wüste gelandet, just dort wo der Flieger zur Notlandung gezwungen war. Fortan entwickelte sich eine Freundschaft zwischen dem ungleichen Paar, in deren Verlauf sie ihre Erfahrungen austauschten und bei philosophischen Betrachtungen über den Sinn alles Seins zu reflektieren begannen. 

Am Ende kehrt der kleine Prinz voller Wehmut auf seinen Sternen-Planeten zurück, während der Flieger mit seiner Maschine in die irdische Realität zurückkehrt. Obwohl Antoine de Saint-Exupéry ursprünglich eine Geschichte für Kinder schreiben wollte, um ihnen an Hand von Fabel-Geschichten Aufklärung darüber zu geben, was im Leben wirklich wichtig ist, Gut von Böse zu unterscheiden oder auf die Sinnlosigkeit des Handelns von Erwachsenen hinzuweisen, ist es dem Autor in wunderbarer Weise gelungen, die Herzen aller Menschen zu berühren, auch der Erwachsenen, wenn sie nur guten Willens sind. Einfacher, anschaulicher und direkter kann man nicht den Sinn des Lebens erklären, wobei die Unschuld der Kinder einen ungemein direkten Zugang zulässt, während das Erwachsensein vielfach die Erkenntnisse vernebeln. 

So ist es Saint-Exupéry fabelhaft gelungen auf direkte Art einen philosophischen Kreis zu schließen, der immer wieder daran erinnert, was Menschsein eigentlich wirklich bedeutet: ein großes Ganzes, ein liebevolles, rücksichtvolles Miteinander, weit weg von Gier, Hass und Gewalt. 

Erwähnenswert sind unbedingt die anrührenden Zeichnungen, die der Autor als hilfreiche Erläuterungen zum Text skizziert hat. Erwähnenswert aber auch ist die innige Widmung, die Antoine de Saint-Exupéry seinem besten Freund, dem in Frankreich lebenden Léon Werth zugedacht hat, der unter den damaligen Kriegsbedingungen und der Besetzung Frankreichs durch die Deutschen sehr zu leiden hatte. Ihm gab er ausnahmsweise den Vorzug, denn zu besseren Zeiten hätte er allemal den kleinen Prinz allen Kindern dieser Welt gewidmet.

Sehr empfehlenswert 

Peter J. König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie  zum  Karl-Rauch-Verlag und können das Buch dort bestellen. Sie können es aber auch bei Ihrem Buchhändler um die Ecke ordern. http://www.hoffmann-und-campe.de/handel/vertrieb-karl-rauch-verlag/

Rezension: #Terror #Ferdinand_ von_Schirach- #Piper

Der Autor dieses zum Nachdenken einladenden Theaterstücks ist der Erzähler Ferdinand von Schirach. Es handelt sich um ein Gerichtsdrama, das die Leser dazu veranlasst, über #Grundwerte in unserer Gesellschaft sowie den Sinn und die Notwendigkeit von Entscheidungen zu reflektieren.

Der Autor verfasste das Theaterstück bereits vor dem Anschlag auf die Zeitschrift "#Charlie_Hebdo".

Gegenstand der Verhandlung ist die Tat eines Kampfpiloten, der sich vor Gericht dafür verantworten soll, dass er ein Passagierflugzeug der Lufthansa gegen die Anweisung seines Vorgesetzten abgeschossen hat. Alle 164 Passagiere sind dabei ums Leben gekommen. 

Der durchaus verantwortungsbewusste Kampfpilot, der zu seiner Tat steht, wollte durch sein Handeln das Leben von 70 000 Zuschauern eines Fußballspiels retten. Er sah darin die einzige Chance, den Terroristen, der sich in der Lufthansa-Maschine befand,  daran zu hindern,  seinen Terrorakt in die Tat umzusetzen und wartete bis zum letzten Moment. Dann erst handelte er, weil sein Vorgesetzter offenbar die Verantwortung scheute, den Tod von 140 Menschen unrechtmäßig in Kauf zu nehmen.

Die 70 000 Menschen, die es zu retten galt, hatte man übrigens nicht rechtzeitig aus dem Stadion evakuiert, obschon genügend Zeit dazu vorhanden gewesen wäre. Hierin ist meines Erachtens das eigentliche Problem zu sehen. 

Ferdinand von Schirach zeigt auf, was für und gegen die Verurteilung des Kampfpiloten spricht und lässt diese Gründe auf Zuschauer und Leser des Theaterstücks wirken. Es geht u.a. um die Würde des Menschen als unveräußerliches Recht. Hierbei handelt es sich um die wichtigste Aussage der Verfassung. Dieser Artikel darf nicht geändert werden, solange unser Grundgesetz Bestand hat. Das Bundesverfassungsgericht sagt, ein Mensch dürfe niemals zum bloßen Objekt staatlichen Handelns werden, denn dann habe man ihm seine Würde entzogen. Genau das aber wäre der Fall, wenn man den Kampfpiloten von seiner Schuld freisprechen und keine Entschuldigungsgründe  anführen würde.

Ein übergesetzlicher Notstand, der weder im Strafgesetzbuch oder in anderen Gesetzen geregelt ist, wird in der Folge als Möglichkeit angeführt. Das ist aber keine überzeugende Argumentationgrundlage, wenn das Grundgesetz unbeschadet bleiben soll.

Können 140 Menschen für das Leben von 70 000 Tausend Menschen geopfert werden, wenn keine andere Chance besteht? Setzt man dadurch unsere Verfassung außer Kraft? Spielt dies am Ende eventuell  überhaupt keine Rolle, wenn es  um solche Abwägungen geht?

Wie sehr darf man sich von Terroristen provozieren lassen, die mit ihren Handlungen die Grundwerte unserer Demokratie auf niederträchtige Weise in Frage stellen? Hilft eine umsichtige Prävention, solche Situationen, wie im Fall dargestellt, grundsätzlich zu vermeiden? Offenbar schon, wie jüngst in Hannover bei dem kurzfristig abgesagten Fußballspiel gezeigt wurde.

In der Rede, die von Schirach zur Verleihung des M 100-Sanssouci Medien Preises an Charlie Hebdo hielt, sagt er, dass nach seiner Meinung die aufgeklärte Demokratie auch Terroristen, auch Menschen, die unsere Gesellschaft zerstören wollen, nur mit den Mitteln des Rechts begegnen dürfe, denn dadurch erweise sich die Wehr- und Wahrhaftigkeit unseres Rechtsstaates . 

Im Zweifel für die Freiheit oder doch eher für die Sicherheit? H`m? Im Zweifel für die Prävention und gegen Schlamperei  zuständiger Behörden.

Sehr empfehlenswert 

Helga König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zu Piper und können das Buch dort bestellen. Sie können es aber auch bei Ihrem Buchhändler um die Ecke ordern. http://www.piper.de/buecher/terror-isbn-978-3-492-05696-0

Rezension: #Anton_Cechov: Späte #Erzählungen in zwei Bänden 1893-1903- #Diogenes

Autor der vorliegenden Erzählungen ist der russische Arzt und Schriftsteller Anton Cechov (29.1.1860- 15.7.1904).  Der berühmte Literat erkrankte 1898 an Tuberkulose und hielt sich fortan in Südrussland  sowie in westeuropäischen Kurorten auf. Seine schriftstellerische Vita zeichnet sich durch knapp gehaltene Erzählungen aus. 

Wie man den beiden Erzählbänden entnehmen kann, hat Cechov auch in reiferen Jahren seinen Sinn für Humor nicht verloren, wobei er nun aber anstelle der direkten Komik und Satire seiner jungen Jahre  eine zum Teil heitere  gleichwohl auch melancholische Ironie einbringt, die die tragischen Momente menschlichen Zusammen- und Alleinseins reflektiert. 

Die Bücher enthalten insgesamt 32 Erzählungen und 4 Fragmente. Unter den Texten findet man u.a. die Erzählungen "Die Dame mit dem Hündchen", "Der schwarze Mönch", "Über die Liebe", Die Braut" und „Rotschilds Geige“. 

Zu jedem Werk kann man im Anhang mehr über die  Publikationsgeschichte, die Entstehung, über Selbstaussagen und Reaktionen als auch Stellenkommentare in Erfahrung bringen. 

Nicht zu vergessen, die  hübschen Vignetten der beiden Einbände stammen von Tomi Ungerer. Natürlich ist es nicht möglich,  nun im Rahmen der Rezension auf die 32 Erzählungen konkret einzugehen, obschon mich speziell eine Interpretation des Textes  "Die Dame mit dem Hündchen" sehr reizen würde. 

Interessant ist es generell mittels der Erzählungen über die damalige, russische Gesellschaft, über den sich auflösenden Gutsadel, das neu entstandene Kleinbürgertum sowie die Intellektuellen Wissenswertes  in Erfahrung zu bringen und in diesem Zusammenhang über zwischenmenschliches Verhalten und soziale Missstände   in der damaligen Zeit  unterrichtet zu werden. 

Cechov knüpft an den Realismus an, gleichwohl aber sind seine feinsinnigen Darstellungen und die Interpretation seelischer Zustände und Stimmungen auch dem europäischen Impressionismus und Symbolismus verbunden. 

Zwei Zitate aus "Die Dame mit dem Hündchen" möchte ich zum Schluss hier einbinden, um zu zeigen, dass  bereits zwei Sätze genügen, um neugierig auf diese Bücher zu  machen

"Und erst jetzt, als sein Haar grau wurde, liebte er, wie es sich gehört, liebte wahrhaftig- zum ersten Mal im Leben." 

"und beiden war klar, dass es bis zum Ende noch sehr-sehr weit war und dass das Komplizierteste und Schwierigste eben erst begonnen hatte"

Sehr empfehlenswert

Helga König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zum diogenes-Verlag und können die beiden Bücher bestellen. Sie können Sie aber auch direkt bei Ihrem Buchhändler um die Ecke ordern.http://www.diogenes.de/leser/katalog/nach_autoren/a-z/c/9783257069402/buch

Rezension: ROH- Sex, Lügen& Rohkost- Der Roman-#Angelika_Fischer- HEIN-VERLAG

Autorin des vorliegenden Romanes ist #Angelika_Fischer. Sie hat bereits das Sachbuch "Das große Rohkost-Buch" publiziert. Die passionierte #Rohköstlerin betreibt die AllesRoh-Website und ein praxisorientiertes Forum für Rohköstler sowie Interessierte. Für den Roman hat sie 12 Jahre recherchiert und Erfahrungen, aber auch Wünsche und Träume aus der Rohköstlerszene in die Handlung gekonnt verwoben.

Im Vorwort schreibt #Johanna_Eberl, nach einem kleinen philosophischen Exkurs, der in die Antike führt, dass Gesundheit in der heutigen Überflussgesellschaft zur Mangelware geworden und das Verhältnis des modernen Menschen zu seiner Nahrung in mehrfacher Hinsicht gestört als auch polarisiert sei zwischen #Diätwahn und #Fresssucht. 

Dabei ließen sich #Zivilisationskrankheiten zumeist auf ungesunde Ernährungsgewohnheiten zurückführen. Nicht nur die gesunde Ernährung sei gekippt, darüber hinaus sei das traditionelle Familienmodell in Frage gestellt. Partner-Börsen, Clubs und Seminare dienten heute dazu, die große Liebe zu finden, während andere ihre Zeit mit One-Night-Stands und Gelegenheitspartnern zubrächten. Trotz dieser Gegebenheiten bliebe jedoch die Frage nach der richtigen Ernährung und der wahren Liebe von größter Aktualität. 

Johanna Eberl fasst in ihrer kurzen Darstellung die wichtigsten Gedanken des Romans zusammen, in welchem die Protagonistin Veronika vielerlei Erfahrungen sammelt, sowohl real als auch virtuell. 

Zu Romanbeginn leidet Veronika an #Asthma und #Neurodermitis, zudem ist sie mit ihrer Figur nicht einverstanden. 

Die Hautkrankheit Neurodermitis hat in den vergangenen Jahren in der westlichen Welt stark zugenommen. Asthma und Neurodermitis scheinen nicht zuletzt Folgen veränderter kultureller und zivilisatorischer Umstände zu sein, ganz ähnlich wie Übergewicht. Veränderte Umweltbedingungen und denaturierte Ernährung sind diesbezüglich in den Fokus geraten. Aus diesem Grund auch stellt Veronika ihre Ernährung um und isst fortan nur noch Rohkost. 

Die junge Frau lebt in vieler Hinsicht die Klischees ihrer Zeit aus, besucht einen Salsa-Kurs, chattet auf einer #Rohkostplattform und lernt eine Vielzahl typischer Menschen der von ihr beschrieben Szene kennen. Über diese Kontakte liest man im Buch Spannendes aber auch viel Schräges und darf über all das staunen, was einem bis dahin als Nichtrohköstler fremd war. 

Auf einzelne Personen hier näher einzugehen, würde vermutlich eher verwirren als zur Erhellung der Gesamthandlung beitragen, die Veronika letztlich sogar nach Paris in ein Schloss führt…

Mehr darf nicht verraten werden, außer dass kein spröder, sondern vielmehr ein hintergründig witziger Text dem Leser eine ungewohnten Lesegenuss schenken wird. 

"Sex, Lügen und Rohkost" sind die Mixtur dieses inhaltlich äußerst ungewöhnlichen Romans, in dem viel Zeitgeist verarbeitet worden ist, man Menschen auf der Suche erlebt, die in mancher Hinsicht entwurzelt scheinen. 

Nach "Sex and drugs and rock and roll / is all my brain and body need / sex and drugs and rock and roll / is very good indeed.", einer Geisteshaltung der späten 1970er Jahre und "Sex and the City" einem  Thema  zwei Jahrzehnte danach, jetzt "Sex, Lügen und Rohkost", mit dem nun zumindest "Alles, was sie über Sex wissen wollten" seinen Abschluss gefunden hat. 

Hedonismus war gestern, heute ist Rohkost das Gebot der Stunde. Die Presse der letzten Tage stimmt dabei mehr als nachdenklich. Verarbeitete Wurstwaren erhöhen das Krebsrisiko, liest man in den Medien ja nicht erst seit gestern, doch nun teilt die Weltgesundheitsorganisation WHO aufgrund einer Studie mit, dass Wurst und Schinken als krebserregend eingestuft werden müssen. 

Jene, die ungekochte Speisen zu sich nehmen, führen dem Körper "heile" Stoffe, so etwa Sekundärpflanzenstoffe, Vitamine, Enzyme, unraffinierte Fette  sowie Kohlenhydrate und nicht denaturierte Proteine bzw. Aminosäuren zu und fördern damit seine körperliche Gesundheit. 

Wie sich  ein solch veränderte Ernährung auf Seele und Geist auswirkt, macht neugierig und ist ein Grund mehr, es einfach mal auszuprobieren. Der Roman dient als Einführung in ein neues Lebensgefühl.

Sehr empfehlenswert. 

Rezension: #Frauen.Geschichten #Andreas_Altmann-#Piper

Der Autor des vorliegenden Buches, das mich an eine Endlosbeichte erinnert, die den Leser zu einem katholischen Geistlichen im Beichtstuhl mutieren lässt, der zu Absolutionshandlungen genötigt wird, ist der überaus renommierte Schriftsteller Andreas Altmann, der u.a. mit dem #Egon_Erwin_Kisch_Preis, dem #Seume_Literaturpreis und dem #Reisebuch_Preis ausgezeichnet ist.

Altmanns #Frauen.Geschichten machen deutlich, dass er ein #Casanova ist. Ähnlich wie einst der große Venezianer auf Schloss Dux ist Altmann mittlerweile nicht mehr der Jüngste. Erinnerungen wollen nun zu Papier gebracht werden, allerdings ist er vielleicht noch zu jung, um ein endgültiges Fazit zu  ziehen.

Im Gegensatz zu Casanova war der aus Bayern stammende Frauengeschichten-Erzähler nicht in den Bleikammern Venedigs eingekerkert, sondern wuchs im Dunstkreis von Weihrauch in #Altötting als Kind eines #Devotionalienhändlers auf. Das Gefühl der Einengung mag allerdings ähnlich auf den dann folgenden Lebenshunger gewirkt haben. 

Die Memoiren, eine Art Autobiografie mit Schwerpunkt Frauengeschichten, siedeln den eloquenten und dabei leicht spöttischen Waage-Mann in der Nähe von Goethe an, der wie Altmann in jungen Jahren offenbar gewisse sexuelle Probleme hatte, die seine Entwicklung prägten. 

Ob sich aus dieser Problematik oder aus seiner Mutterbeziehung oder aus etwas Drittem heraus seine Affinität für Frauen entwickelt hat, ist letztlich unerheblich. Erfreulich ist, dass  es sie gibt und dass er nun eine über 300 Seiten umfassende, streckenweise poetische Liebeserklärung geschrieben hat, die der Frau als Faszinosum in allen Frauen gilt. 

Hesses "Goldmund" fiel mir ein als ich das Buch las, doch ist Altmann letztlich nicht wie er. In ihm ist auch viel "Narziss". 

Dieser bekennende Frauenmann kennt Treue offenbar  nur sich selbst gegenüber, er liebt Frauen und lehnt Männer ab, die diese erniedrigen, beleidigen, entwerten. Er will Ritter sein und ist es auf seine Weise stets. Gewalt gegen Frauen ist sein Ding nicht. Er möchte geliebt werden, um selbst lieben zu dürfen und er möchte vor allem frei sein.

Einen Lolita-Komplex hat er  auch nicht, wie er sich selbst analysiert. Stattdessen sind ihm “gesetzte Herren, die nach Nymphen Ausschau halten und närrisch nach deren Pfeife tanzen ein Gräuel.“ 

Ihn beruhigen starke Frauen, weil sie ihn nicht an seine Mutter erinnern, deren Schwäche ihn krank machte vor Wut. 

Altmanns spannend zu lesendes Buch ist, das sei nochmals gesagt, eine Liebeserklärung an fast alle Frauen. Sein Casanovatum vergibt man ihm sofort. Ihn als "Pascha" zu bezeichnen, wie eine Frauenzeitschrift es tat, halte ich für aberwitzig. 

Als Buße für seine Beichte muss Andreas Altmann noch 10 weitere Bücher schreiben. Das kommt davon, wenn man seine Leser zu Beichtvätern bzw. –müttern umfunktioniert. 

Sehr empfehlenswert 

Helga König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zu Piper und können das Buch dort bestellen. Sie können es aber auch direkt bei Ihrem Buchhändler um die Ecke ordernhttp://www.piper.de/buecher/frauengeschichten-isbn-978-3-492-05588-8

Rezension: Interventionen- Michel Houllebecq- Essays Dumont

Michel Houellebecq zählt zu den wichtigsten Autoren der Gegenwart. Dieser brillante, französische Schriftsteller wurde mit dem renommiertesten Literaturpreis seines Heimatlandes, dem Prix Goncourt, ausgezeichnet.

Seine Texte schätze ich sehr, weil sie stets bemerkenswert analytisch und sozialkritisch angelegt sind.

Das vorliegende Buch enthält 28 Essays, die von Hella Faust aus dem Französischen ins Deutsche übersetzt wurden.

In seinen Essays analysiert er die sozialen und kulturellen Missstände im Hier und Jetzt auf vielschichtige Weise.

Das Kompendium verbindet die Einzelbände "Die Welt als Supermarkt. Interventionen" und "Ich habe einen Traum. Neue Interventionen". 

Sein Essay "Die Feier" beginnt mit nachstehenden Worten "Das Ziel der Feier ist es, uns vergessen zu machen, dass wir einsam, elend und dem Tode geweiht sind. Anders gesagt, es ist das Ziel der Feier, uns in Tiere zu verwandeln. Deshalb hat der Primitive ein hoch entwickeltes Gespür fürs Feiern."

Wenig später fragt Houellebecq hintersinnig:"Was rechtfertigt es im Grunde, miteinander vereint zu sein`?

Dann beginnt seine Analyse, wie immer beinhart und endet in dem Resümee, dass mit zunehmendem Alter die Verpflichtung zu feiern abnehme, der Hang zur Einsamkeit sich hingegen vermehre, weil das wirkliche Leben wieder die Oberhand gewönne.

Es ist diese Tristesse, die es unmöglich macht, Houellebecq als Sommerlektüre zu preisen. Sie  haftet an ihm wie eine zweite Haut.

Lese ich Sätze wie "Die Welt als Supermarkt und Hohn" zucken mir die Mundwinkel und ziehen sich bedenklich nach unten, wenn ich  mit dem Satz "Die Frage der Pädophilie" konfrontiert werde. Wieso schafft es Houellebecq immer wieder,  einen  in seine düstere Stimmung zu locken, die keiner braucht und keiner will?

Ganz einfach, weil er unglaublich gut schreiben kann, weil er nachdenkt wie kaum ein anderer, weil er den Schatten stets  kühn betrachtet und analysierend auseinander nimmt, kurzum, weil er hinreißend intellektuell ist..

Ein gutes Buch, das man immer wieder gerne zur Hand nimmt.

Empfehlenswert.

Helga König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zum Dumont-Verlag und können das Buch bestellen. http://www.dumont-buchverlag.de/buch/Michel_Houellebecq_Interventionen/15312. Sie können es aber auch direkt beim Buchhändler um die Ecke ordern.

Rezension: Sternenreiter- Kleine Sterne leuchten ewig- Jando-KoRos Nord

Diese bezaubernde Geschichte für junge und im Herzen jung gebliebene Menschen des Autors Jando wurde bereits 30. 000 Mal verkauft und auch in die koreanische Sprache übersetzt. 

Hinter dem Pseudonym "Jando" verbirgt sich der norddeutsche Autor Jens Koch, der gerade auf "Buch, Kultur und Lifestyle" am Interviewprojekt "Wann ist eine Kindheit kindgerecht?" teilgenommen hat.

Ehrenamtlich engagiert der Autor sich für die Kinderhilfsorganisation "Ein Herz für Kinder" und unterstützt die Robben-Kampagne der Tierrechtsorganisation PETA. 

Der "Sternenreiter" wird bald verfilmt. Ein Filmproduktionsunternehmen hat sich  bereits die  Rechte dazu gesichert.  Jando wirkt am Drehbuch mit und verleiht ihm insofern eine persönliche Signatur. 

Als ich den "Sternenreiter" las, dachte ich natürlich sofort an das Buch "Der kleine Prinz" von Antoine de Saint-Exupéry. Dies ist Jandos lebensklugen Gedanken geschuldet, die in die Geschichte eingebunden sind, aber auch der textlichen Atmosphäre, die diese Geschichte märchenhaft gestaltet. 

Die fünfzehn farbigen Illustrationen von Antjeca entführen ähnlich wie die Zeichnungen bei Saint-Exupéry in Traumwelten. 

Ich werde mich hüten, den Inhalt der Geschichte hier verkürzt wieder zu geben, in der der Ich-Erzähler Mat durch die Gespräche mit einem kleinen totkranken Jungen lernt, die tatsächlich wichtigen Werte und seine Träume endlich zu leben, nachdem er, bedingt durch einen schweren Verkehrsunfall und einen langen Aufenthalt im Krankenhaus, vom Schicksal eine Auszeit verordnet bekam. 

Hervorheben möchte ich, dass der Text nicht nur inhaltlich sondern auch stilistisch sehr reizvoll ist und man sich immer wieder über die Eleganz und Klugheit des Autors freut. Vielleicht muss man lange genug aufs Meer geblickt haben, um so schreiben zu können. Vermittelt wird geistige Weite pur.

Jando ist ein Botschafter der Liebe. Insofern wundert es nicht, dass er sein Buch mit einer essentiellen Liebes-Botschaft beginnt, die ich hier wiedergeben möchte:

Der wertvollste Samen, 
der in die Erde eingesetzt wird, 
ist die Liebe. 
Sie wächst überall dort, 
wo sie gesät wird. 

Oft sind es ja Schicksalsschläge, die den Menschen dazu veranlassen, innezuhalten, darüber nachzudenken und zu hinterfragen, wie weit man sich bei all seinem agilen Tun von sich und seinen Mitmenschen bereits entfernte? 

Hat man sich je erlaubt, seine Träume zu leben? Was haben der Alltag und das Erfolgsstreben aus uns gemacht? Nicht allen begegnet sofort eine Lichtgestalt, die dabei hilft, innerlich gesund zu werden, aber wenn man sich öffnet, dann geschehen zumeist Dinge, die uns zu unserem höheren Selbst führen und dabei helfen, liebevollen Zugang zu anderen zu finden. Das ist keine Fiktion. Das ist Realität.

Wunderbar und so wahr sind Sätze wie "Manche Wege, die wir wählen, benötigen Zeit. Es ist wie bei den Äpfeln: Sie fallen erst vom Baum, wenn sie reif sind“. (S.84) 

Zu diesem Satz fallen mir Hunderte von  Beispiele ein, die ihn bestätigen. Geduld ist gefragt, Engelsgeduld. Das ist nicht immer einfach.

Auf Seite 103 dann wird man mit einer Kernwahrheit des Lebens konfrontiert: 

"Wenn du anfängst dich selbst zu achten, zu lieben und zu akzeptieren, erschließen sich Dir neue Wege. Du wirst merken, wie dir neue Anerkennung und Liebe begegnen wird.“ 

Dieser Satz ist nicht nur der Schlüssel zum Buch, sondern zu einem erfüllten Leben überhaupt.

Eine wunderbare Geschichte,  sehr lehrreich und das Herz berührend.

Sehr empfehlenswert 

Helga König

Hier der Link zur Website:http://jandoautor.com/

Das Buch ist überall im Fachhandel erhältlich.