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Rezension: Die Zauberin sollst du nicht leben lassen- Peter Braun

Vor einigen Tagen habe ich in dem Buch "Intrigenopfer: Vom Aufstieg und Fall großer Männer" von den Machenschaften von Fuchs von Dornheim gelesen. Ich schrieb: "Den Namen Georg Haan kennen gewiss nur wenige. Er erlangte traurige Berühmtheit in einer der Hochburgen der Hexenverfolgung und zwar in Bamberg. Dort nämlich wurden in den Jahren 1595 bis 1631 etwa 1000 Menschen als Hexen verbrannt. Als "Hexenbrenner" ging der damals regierende Bamberger Fürstbischof Johann Georg II. Fuchs von Dornheim in die Geschichte ein. Verfolgt wurden Mitglieder der Oberschicht und so auch der damals höchste weltliche Beamte, der Kanzler Dr. Georg Haan. Nicht nur er, sondern auch der größte Teil seiner Familie wurde durch gezielte Denunziation durch seine Gegner und Neider um ihr Leben gebracht, indem man die Haans der Hexerei bezichtigte. Was in Bamberg geschah war ein Skandal, (vgl.: S. 37ff). Ob junge Menschen in Schulen dort heute von den üblen Intrigen ihrer Vorfahren in Kenntnis gesetzt werden? Sind Bambergerinnen heute zurückhaltender, wenn es um Boshaftigkeiten und Verleumdungen geht? Immerhin haben sie die Schuld ihrer Vorfahren abzutragen. Lernen die Menschen dazu oder würden sie nach wie vor am liebsten rufen: "Lasst die Hexe oder den Hexenmeister brennen?"(..) "Klar muss sein, dass Bamberg sich überall immer und immer wieder zutragen kann, wenn man Intriganten ihr Spiel spielen lässt". (Zitat: Helga König)

Eine Mitrezensentin machte mich dann in den Kommentarzeilen auf das Buch "Die Zauberin sollst du nicht leben lassen" aufmerksam, welches der Bamberger Autor Peter Braun 1996 verfasst hat. Nachdem ich mir das Buch beschafft hatte und leider den Autor telefonisch nicht erreichen konnte, rief ich den Bamberger Verlag an, der das Hörspiel veröffentlich hat. Ich wollte wissen, wessen Namen es sind, die man zu Beginn und zu Ende des Buches aufgelistet hat und die auch auf dem Buchcover wie ein Mahnmal dem Leser entgegenprangen.

Fuchs von Dornheim

Johann Salver, Hofkupferstecher in Würzburg (*1670 +1738).



Man bestätigte mir, dass es sich bei den rund 450 Namen um die Namen von Menschen handelt, die einst durch den Hexenbrenner Fürstbischof Johann Georg II. Fuchs von Dornheim auf bestialischste Weise gefoltert und getötet worden sind. Peter Braun erwähnt mit keinem Wort, wer diese Menschen waren und schreibt: "Alle Hinweise auf die Orte des tatsächlichen Geschehens wurden getilgt alle Hinweise auf die am Geschehen Beteiligten wurde mit Ausnahme der Liste der Opfer gestrichen."

Nach Dorothea Flock habe ich gegoogelt, weil sie in der Auflistung der Opfer ganz oben steht. Ich fand folgenden Hinweis:"Der Bamberger Ratsherr Georg Heinrich Flock war gerade noch rechtzeitig aus Bamberg geflohen, als seine zweite Frau Dorothea eingesperrt wurde. Seine erste Frau war ebenfalls als Hexe verbrannt worden. Doch Dorothea stammte aus der angesehenen Nürnberger Familie Hofmann. Diese Familie, zu der Flock sich geflüchtet hatte, setzte nun alle Hebel in Bewegung, um die Schwangere frei zu bekommen. Als daraufhin die bischöfliche Bamberger Regierung merkte, dass der Reichshofrat in Wien, ein juristisches Beratergremium mit weitreichenden Vollmachten, ernsthaft Anstalten unternahm, die Bamberger Hexenprozesse einzuschränken, trat sie die Flucht nach vorne an und versuchte, den Prozess gegen Dorothea Flock so schnell wie möglich zu beenden: Durch Folter wurde die soeben vom Kindbett Aufgestandene zu einem "Geständnis" gepresst. Auch wenn die mit dem Mut der Verzweiflung vorgetragene Aktion aus Nürnberg das Leben der jungen Flockin nicht retten konnte, so läutete sie doch das Ende der Hexenprozesse in Bamberg ein." Das habe ich einer Buchbesprechung zu *Britta Gehm: "Die Hexenverfolgung im Hochstift Bamberg und das Eingreifen des Reichshofrates zu ihrer Beendigung", Georg Olms Verlag auf den Internetseiten von Petra Duschner entnommen.

Peter Braun erinnert auf der ersten Seite seines Buches daran, dass 1793 die letzte Hexe auf einem Scheiterhaufen verbrannt wurde, aber man 200 Jahre später erneut Menschen verbrannte. Wir wissen alle noch genau, wie man nach der Wende gegen Ausländer in Deutschland plötzlich zu Felde zog. Es verbrannten Menschen erneut, so wie Juden in der Nazizeit einst von NS-Polizeibatallionen nicht nur in der Ukraine verbrannt wurden.


 Bamberg: Foto Erich Weiß Verlag

Braun schreibt "Am Anfang war ein Bild: Feuer fliegt gegen ein Haus. In dem Haus Menschen Furcht. Vor dem Haus: Menschen johlen: Beifall." So geschehen in den frühen 1990ern irgendwo in Deutschland.

Wir erinnern uns an den Kommandanten des Konzentrationslagers Plaszow bei Krakau: Amon Leopold Göth, ein geistiger Nachfahre von Fuchs von Dornheim, derer es viele gab und leider noch immer gibt. "Die Hexenverfolgung in der Neuzeit ist ein Beispiel für Dummheit, die in Gewalt mündet". Ja es ist wahr: "Hass, Neid, Angst gebiert Verfolgung. Sündenböcke sind leicht gefunden. Gestern, heute, morgen. Überall."(Zitat: Peter Braun).


Dieses extrem dicht geschriebene Büchlein sollte nicht nur an Bamberger Schulen gelesen werden, (ich will hoffen, dass es dort Pflichtlektüre ist), sondern an allen Schulen unseres Landes. Derzeit wird in unserem Land gottlob nicht mehr körperlich, aber so doch seelisch gefoltert und zwar im Internet von den Nachfolgern jenes Fuchs von Dornheim und deren Schergen, wie man nicht nur den überregionalen Zeitungen entnehmen kann.

Braun beschreibt einem Protokoll nicht unähnlich, wie eine schwangere Frau, die an Dorothea Flock erinnert, denunziert und in Haft genommen wird. Er beschreibt die Gefängnisse, in denen die Angeklagten in steter Kälte und Finsternis von ihren Henkern gequält, schwermütig werden. Er beschreibt wie man die Gefangenen in Angst und Schrecken versetzte, indem man ihnen die Folterwerkzeuge zeigte, mittels derer man Geständnisse herauspresste. Ausführlich wird dann die Folter dargestellt, die Daumenschrauben, die spanischen Stiefel. Man setzte die Frauen in siedheißes Kalkwasser, wenn sie verstockt blieben (....)"Und ob sie gleich bei solcher Marter nichts bekannt, wurde die Tortur fortgesetzt und der Scharfrichter hat ihr, da sie schwangeren Leibes gewesen, die Hände gebunden, die Haare abgeschnitten und sie abermals auf die Leiter gesetzt"(..)"Ihr Branntweinwein auf den Kopf gegossen und abgebrannt"(...)"Ihr Schwefelfedern unter die Arme und an den Hals gebrannt"(......)"Ihr Branntwein auf den Rücken gegossen und angezündet....",(Zitat: S. 22-23).

Die vier Türme des Bamberger Domes
vom Turm des Schlosses Geyerswörth aus gesehen
Quelle Wikipedia; Nawi112 User:Waugsberg



Dies war das Werk des Fuchs von Dornheim, wenn die Beschriebene tatsächlich Dorothea Flock war. Er war der geistige Vater der Hexenverbrennungen in Bamberg. Man muss sich die Feuer direkt vor dem Dom denken und sein hämisches Lachen, das das gleiche Lachen ist, wie jenes von Amon Leopold Göth und all den anderen Menschenverachtern, die zu körperlicher und seelischer Folter aufgerufen haben und aufrufen ihres Vorteils wegen und aufgrund von absoluter Schlechtigkeit und Grausamkeit. Man muss die Scheiterhaufen gedanklich genau dort hinbringen, wo sie vorangetrieben wurden.

Die Schwangere reißt während der Folter andere Personen ins Unglück, nicht nur Frauen, auch Männer, wie Hans Zollner und Jakob Schmidtmeier, die ohne zu bekennen, die Folter ausgestanden haben. Welch tapfere Männer! Fuchs von Dornberg wird sie gewiss gehasst haben. Da bin ich mir sicher, denn sie haben ihm seine ganze Erbärmlichkeit vorgeführt.

Peter Braun entwickelt sein Hörspiel auf der Basis eines Liedes, eines Briefes, aufgrund von Berichten und Protokollen. Das Hörspiel macht betroffen, macht vergangenes Leid spürbar.


Ich möchte noch eine Stelle zitieren, speziell für die Person, die 2009 schrieb: "Lass die Hexe brennen". Mich hat das empört, eingedenk des Leides all der Menschen in der Zeit der Hexenverfolgung: "Nachdem nun die Stunde angekommen, dass gegen sie das Endurteil sollte vollzogen werden, wurde ihr das Urteil vorgelesen, und sie sodann, weil sie zu gehen unvermögend war, mit einem hierzu verfertigten hölzernen Stuhl zum Richtplatz getragen und wurde nicht auf der Schindkarre zur Richtstätte geführt, wie dies zu gehen pflegt, wenn alle Gliedmaßen von den Torturen zerrissen, die Brüste zerfetzt sind.

Oft hängt der einen ein Arm auseinander, einem anderen ist das Knie gebrochen. Sie können nicht mehr gehen und stehen, denn die Beine sind zerquetscht. Wenn sie dann aber an den Brandpfahl angebunden werden, heulen und jammern sie, ob all der erlittenen Qualen.

Das Volk aber schaut dem allem zu, spottet ihrer und lästert das armselige Opfer." (Zitat: S.33)

Weil das in allen Jahrhunderten so ist, müssen wir uns um Adel des Geistes bemühen und unsere Empathiefähigkeit täglich schulen.
Sehr empfehlenswert.

 http://www.erich-weiss-verlag.de/



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