Joanna Miller, die Autorin dieses Romans hat Englisch am Exeter College in Oxford studiert. Im Nachwort lässt sie die LeserInnen wissen, wodurch sie zum Schreiben dieses Buches angeregt wurde. Zum rascheren Verständnis des Romaninhalts, empfiehlt es sich, das Nachwort vorab zu lesen.
Die Romanhandlung spielt Anfang der 1920er Jahre und gewährt Rückblicke auf die Zeit des 1. Weltkrieges.
Gleich zu Beginn erfährt man, dass der Handlungsort- die Universität Oxford – im elften Jahrhundert gegründet wurde und die älteste englischsprachige Universität sei. Bis Ende des 19. Jahrhunderts seien es ausschließlich Männer gewesen, die dort akademisch ausgebildet wurden, dann habe man vier unabhängige Colleges für Frauen und eine "Society for Home Students" gegründet. Erst nach dem Ersten Weltkrieg, nach der Einführung des Frauenwahlrechts, sei es der ersten Gruppe von Frauen möglich gewesen, vollwertig zu studieren.
Vier dieser Frauen, die Protagonistinnen,- fiktive Personen-, lernt man näher kennen. Die schöne Dora studiert anstelle ihres Bruders, der im 1. Weltkrieg gefallen ist. Die intelligente, exaltierte Ottoline, genannt Otto, hat im Krieg das qualvolle Sterben junger Männer zunächst hautnah als Hilfspflegerin miterlebt und lenkt sich durch Luxus und auf Partys, die sie heimlich besucht, von den Erinnerungen ab. Marianne, die Tochter eines Pfarrers hält geheim, was ihren Studienplatz gefährden könnte und Beatrice schließlich nabelt sich in Oxford von ihrer Mutter, einer berühmten Suffragette, ab.
Das Wissen, was mit den 750.000 britischen Soldaten geschehen ist, die auf den Schlachtfeldern verheizt wurden, lässt die jungen Frauen noch ernsthafter ihren Studien nachgehen. Der Krieg hat alle Überlebenden verändert, ihnen das Jungsein geraubt. Jugendliche Verträumtheit taucht, wenn überhaupt, bloß verschämt auf.
Man liest in Zusatzinformationen im Rahmen des Handlungsverlaufs von der damaligen akademischen Kleiderordnung, den allgemeinen drastischen Universitätsregeln für Studentinnen im ersten Studienjahr, über Szenen in Oxford, Hinweisen wie etwa, wann die Studentinnen spätestens auf ihrem Zimmer zu sein hatten, auch was geschehen würde, wenn sie die College-Vorschriften nicht beachten, was es mit den Anstandsdamen für die Studentinnen auf sich hatte etc. etc, und erkennt das enge Korsett der Konventionen, das Studentinnen im Gegensatz zu Studenten akzeptieren mussten, wenn sie das Gleiche anstrebten wie ihre männlichen Kollegen, nämlich einen akademischen Abschluss.
Durch all diese Informationen wird die Erzählzeit sehr lebendig. Man kann sich gut in das Denken und Fühlen der jungen Frauen hineinversetzen, in die Mischung aus Fleiß, aber auch die Empörung dieser Studentinnen, die den Mut hatten, ihren Intellekt zu schulen, ihre Begabungen nicht zu verbergen, ihr Leben zu verändern und berufliche Selbstständigkeit anzustreben.
Ein Roman, den ich sehr gerne gelesen habe.
Helga König