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Rezension: Letzter Akt, Roman, Thomas Schäfer-Dumont


Andreas Schäfer, der Autor dieses Romans, hat bereits einige Bestseller verfasst. Wobei "Letzter Akt" das erste Buch von ihm ist, das ich gelesen habe. Es wird gewiss nicht das letzte sein!

Zunächst fühlte ich mich beim Lesen an den Film "Notting Hill" erinnert, doch dieser Eindruck verflog recht bald, denn rasch wurde mir klar, dass es hier um einen komplexen Roman mit Tiefgang geht. 

Wie wird unser Jetzt vom längst vergessenen Gestern getriggert? Sind unterschiedliche Zeitebenen am Ende einer bloße Fiktion?

Was anfänglich wie eine fragwürdige Liebesgeschichte zwischen einem berühmten Filmstar und einem unbekannten Maler, der im Hinterhofmilieu auf seine Entdeckung hofft, erscheint, erweist sich alsbald Studie von Persönlichkeiten mit Brüchen in ihren Lebensläufen, die vielleicht notwendig waren, um zu dem zu werden, was sie geworden sind. 

Unverarbeitete Schuldgefühle wirken nach und sind Ursache für Blockaden im Jetzt, sind Ursache dafür, dass die Schauspielerin Dora ihr Antlitz nicht ertragen kann, das der Künstler Victor gemalt hat und es zerstört, alsdann in eine Schaffenskrise gerät.

Victors ehemalige Frau, eine hochbegabte Bildhauern geriet lange vor Dora in eine Schaffenskrise. Doch beide Male war es keineswegs so, dass Victor ihnen Schaffenskraft nahm. Dieses Ausbrennen funktioniert anders...

Das Phänomen der Gleichzeitigkeit, eine Art von Déjà-vu, kann das, was man benötigt, um kreativ zu sein, beispielsweise erlahmen lassen. Ein früheres Ereignis kann im Jetzt durch etwas so reaktiviert werden, dass es erstarren lässt. 

Dass Victor seine Chance nutzt, macht ihn nicht unsympathisch, denn er hat diese nicht vorteilserheischend gesucht. Sie fiel ihm zu, als Dora ihre Chance bekam, sich ihres Schuldgefühls bewusst zu werden und nicht mehr vor sich selbst zu fliehen.

Die Milieuschilderungen im Buch zeugen von einer akribischen Beobachtung der Orte, wo sich die Handlung jeweils zuträgt.

Ein interessanter Roman, der einen lange über das fokussierte Phänomen, von dessen Existenz ich überzeugt bin, nachdenken lässt.

Helga König