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Rezension: Sternenreiter- Kleine Sterne leuchten ewig- Jando-KoRos Nord

Diese bezaubernde Geschichte für junge und im Herzen jung gebliebene Menschen des Autors Jando wurde bereits 30. 000 Mal verkauft und auch in die koreanische Sprache übersetzt. 

Hinter dem Pseudonym "Jando" verbirgt sich der norddeutsche Autor Jens Koch, der gerade auf "Buch, Kultur und Lifestyle" am Interviewprojekt "Wann ist eine Kindheit kindgerecht?" teilgenommen hat.

Ehrenamtlich engagiert der Autor sich für die Kinderhilfsorganisation "Ein Herz für Kinder" und unterstützt die Robben-Kampagne der Tierrechtsorganisation PETA. 

Der "Sternenreiter" wird bald verfilmt. Ein Filmproduktionsunternehmen hat sich  bereits die  Rechte dazu gesichert.  Jando wirkt am Drehbuch mit und verleiht ihm insofern eine persönliche Signatur. 

Als ich den "Sternenreiter" las, dachte ich natürlich sofort an das Buch "Der kleine Prinz" von Antoine de Saint-Exupéry. Dies ist Jandos lebensklugen Gedanken geschuldet, die in die Geschichte eingebunden sind, aber auch der textlichen Atmosphäre, die diese Geschichte märchenhaft gestaltet. 

Die fünfzehn farbigen Illustrationen von Antjeca entführen ähnlich wie die Zeichnungen bei Saint-Exupéry in Traumwelten. 

Ich werde mich hüten, den Inhalt der Geschichte hier verkürzt wieder zu geben, in der der Ich-Erzähler Mat durch die Gespräche mit einem kleinen totkranken Jungen lernt, die tatsächlich wichtigen Werte und seine Träume endlich zu leben, nachdem er, bedingt durch einen schweren Verkehrsunfall und einen langen Aufenthalt im Krankenhaus, vom Schicksal eine Auszeit verordnet bekam. 

Hervorheben möchte ich, dass der Text nicht nur inhaltlich sondern auch stilistisch sehr reizvoll ist und man sich immer wieder über die Eleganz und Klugheit des Autors freut. Vielleicht muss man lange genug aufs Meer geblickt haben, um so schreiben zu können. Vermittelt wird geistige Weite pur.

Jando ist ein Botschafter der Liebe. Insofern wundert es nicht, dass er sein Buch mit einer essentiellen Liebes-Botschaft beginnt, die ich hier wiedergeben möchte:

Der wertvollste Samen, 
der in die Erde eingesetzt wird, 
ist die Liebe. 
Sie wächst überall dort, 
wo sie gesät wird. 

Oft sind es ja Schicksalsschläge, die den Menschen dazu veranlassen, innezuhalten, darüber nachzudenken und zu hinterfragen, wie weit man sich bei all seinem agilen Tun von sich und seinen Mitmenschen bereits entfernte? 

Hat man sich je erlaubt, seine Träume zu leben? Was haben der Alltag und das Erfolgsstreben aus uns gemacht? Nicht allen begegnet sofort eine Lichtgestalt, die dabei hilft, innerlich gesund zu werden, aber wenn man sich öffnet, dann geschehen zumeist Dinge, die uns zu unserem höheren Selbst führen und dabei helfen, liebevollen Zugang zu anderen zu finden. Das ist keine Fiktion. Das ist Realität.

Wunderbar und so wahr sind Sätze wie "Manche Wege, die wir wählen, benötigen Zeit. Es ist wie bei den Äpfeln: Sie fallen erst vom Baum, wenn sie reif sind“. (S.84) 

Zu diesem Satz fallen mir Hunderte von  Beispiele ein, die ihn bestätigen. Geduld ist gefragt, Engelsgeduld. Das ist nicht immer einfach.

Auf Seite 103 dann wird man mit einer Kernwahrheit des Lebens konfrontiert: 

"Wenn du anfängst dich selbst zu achten, zu lieben und zu akzeptieren, erschließen sich Dir neue Wege. Du wirst merken, wie dir neue Anerkennung und Liebe begegnen wird.“ 

Dieser Satz ist nicht nur der Schlüssel zum Buch, sondern zu einem erfüllten Leben überhaupt.

Eine wunderbare Geschichte,  sehr lehrreich und das Herz berührend.

Sehr empfehlenswert 

Helga König

Hier der Link zur Website:http://jandoautor.com/

Das Buch ist überall im Fachhandel erhältlich.

Rezension Peter J. König: "Zeig dich Mörder"- Louis Begley- Suhrkamp

Louis Begley hat in seinem neuen Roman "Zeig dich Mörder", erschienen im Suhrkamp Verlag, mit eindrucksvollem Insiderwissen und messerscharfer Analyse die Geschichte von Jack Dana erzählt, der als Spross einer Upperclass East-Coast Familie mit dem Selbstmord seines geliebten Onkels konfrontiert wird. 

Dieser, ein angesehener Anwalt in einer sehr renommierten Kanzlei in Manhattan, war nach dem frühen Tod von Danas Eltern, alleinstehend, die einzige Bezugsperson, die dem jungen Jack Halt und Orientierung, aber auch familiäre Liebe gegeben hat. Mit seiner abgeklärten Art, seiner klaren Haltung und seinem kulturellen Savoir-Vivre war er stets das Vorbild und der Gesprächspartner für den jungen Yale-Absolventen. Jedoch anders als sein Onkel ist er dem Vorbild seines Vaters gefolgt und hat anschließend sich freiwillig zu einer Ausbildung bei den Marines entschieden, einer der härtesten Elite-Truppen die das amerikanische Militär kennt. 

Als solcher erlebte er sowohl den Krieg in Afghanistan als auch im Irak, als er im Rang eines Captains, schwer verwundet, nach seinem Aufenthalt im Militärhospital den Dienst quittiert hat. Zurück in New York und damit wieder in der Nähe seines Onkels, begann er einen ersten Roman über seine Kriegserlebnisse zu verfassen. Dass dieser auf Anhieb überaus erfolgreich bei den Lesern ankam, hatte er sich auch nicht träumen lassen. Ebenso wenig hatte er vermutet, dass eine junge Anwaltskollegin, die seinem Onkel assistierte sehr bald nach seiner Rückkehr nach Manhattan eine feste Liebesbeziehung mit ihm eingehen sollte. Nach seinem ersten Roman folgte ein zweiter, ebenso erfolgreich. Dass Hollywood ihn auch noch verfilmt hat, ließ ihn zu einem vermögenden Mann werden. 

Nach einer Reise in den brasilianischen Mato Grosso, ein Mandant seines Onkels besaß dort eine große Rinderfarm, bestens geeignet um fernab der Welt sein drittes Buch zu schreiben, wurde er bei der Rückkehr von der Nachricht überrascht, dass sein geliebter Onkel sich in seinem Ferienhaus auf Long Island erhängt haben soll. Zudem war seine langjährige Sekretärin einen Tag später vor die U-Bahn gestürzt und dabei ebenfalls ums Leben gekommen. Niemals hätte sein Onkel, ohne ihn zuvor noch einmal gesehen zu haben, einen solchen Freitod gewählt, da war sich Jack Dana sicher, zumal er zuvor noch seinem über alles geliebten Siam-Kater den Hals umgedreht haben soll. Niemals, niemals.

Louis Begley gilt heute als einer der besten amerikanischen Schriftsteller der Gegenwart. Geboren 1933 in Polen flohen seine Eltern mit ihm vor den Nazis in die USA. Bis 2004 war er dort in New York als überaus erfolgreicher Anwalt tätig, bevor er seine Karriere als Schriftsteller begann. Seine Bücher sind in 18 Sprachen übersetzt worden, seine Auszeichnungen sind vielfältig. Immer wieder hat sich Bagley mit gesellschaftlichen Verwerfungen befasst und dabei die Probleme und Abgründe der darin verstrickten Menschen in seinen Romanen thematisiert. Dabei ist es ihm gelungen,  sehr exakt die Psychologie der handelnden Personen zu beschreiben, um dann daraus Handlungsmuster zu entwickeln. 

Um dem Ganzen den besonders authentischen Rahmen zu geben, bettet er die Handlungsstränge in reale Ereignisse ein, oftmals verknüpft mit dem passenden geschichtlichen Hintergrund. Dabei bleiben seine Romane doch auch immer zeitnah und bewegen sich in realistischen Szenerien, die der Autor aus eigenem Erleben bestens kennt. Deshalb sind seine Romane kurzweilig und spannend, aber niemals flach. Zudem wird man mit Fragen von tiefem ethischen Hintergrund konfrontiert, deren Beantwortung der Protagonist in allen Romanen allein dem Leser überlässt. Alles zusammen macht die Faszination von Louis Begley aus, so auch in seinem aktuellen Werk: "Zeig dich Mörder". 

Sehr empfehlenswert

 Peter J. König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie  zum Suhrkampverlag und können das Buch bestellen. Sie können das Buch aber auch direkt bei Ihrem Buchhändler um die Ecke ordern. http://www.suhrkamp.de/buecher/zeig_dich_moerder-louis_begley_42466.html

Rezension: Literaturland Hessen- Das Lesebuch- Heiner Boehncke/ Hans Sarkowicz

Vor einigen Tagen habe ich "Literaturland Hessen- Literarische Streifzüge durch die Mitte Deutschlands" rezensiert. Die Autoren Heiner Boehncke und Hans Sarkowicz  haben zu dem wunderbaren Buch noch ein begleitendes Lesebuch auf den Weg gebracht und die  ausgewählten Texte  in 10 Kapitel eingebunden.

Bei den Kapiteln handelt es sich um folgende:

-Literaturstadt Frankfurt
-Mit Goethe durch Hessen
-Von Residenz zu Residenz
-Grimm-Heimat Hessen
-Von den Minnesängern bis Grimmelshausen
-Kreuz und Quer durch Hessens Mitte
-Große Welt reist ins Bad
-Auf den Spuren der Romantiker
-Georg Büchner und der Vormärz in Hessen
-Ein rechtes Paradies. Hessens sonniger Süden

Viele bekannte und weniger bekannte Autoren und Auszüge aus deren Werken lernt man hier kennen. Da die Texte nicht sehr lang sind, eignen sie sich als Bettlektüre. Abend für Abend freut man sich auf einen neuen Text, da diese inhaltlich höchst verschiedene Themen aufgreifen, nicht nur deswegen, weil die Autoren in unterschiedlichen Jahrhunderten lebten, sondern auch  weil sie bemerkenswert unterschiedliche Interessen hatten.

Den jeweiligen Textauszügen sind erläuternde Gedanken vorangestellt, die die Einordnung erleichtern. Ich erwähnte in meiner Rezension "Literaturland Hessen- Literarische Streifzüge durch die Mitte Deutschlands" Bertha Pappenheim. Sie ging als "Anna O." in die Geschichte der Psychoanalyse ein. Von ihrer Erzählung "Die Erbschaft" wusste ich bis dato ebenso wenig wie von ihrem "Heim des Jüdischen Frauenbunds", das in der Pogromnacht 1938 teilweise zerstört wurde.

"Das Frankfurt-Buch- Achtzig Textbaustein" von Eva Demski hat mir sehr gut gefallen. So kann nur schreiben, wer seine Stadt liebt.

Wunderbare Texte von Goethe warten auf den Leser, der seinen 65. Geburtstag übrigens einst in Wiesbaden feierte, damals auch einige Tage im Sommerhaus der Brentanos im Rheingau weilte und von da aus Ausflüge in die Umgebung machte. Textstellen aus seinem Essay "Der Rheingau" habe ich mit großem Vergnügen studiert, aber auch Briefe aus dem Briefwechsel zwischen Goethe und Marianne von Willemer sind sehr lesenswert.

Auf keinen Fall werde ich hier  all die Autoren aufzählen, die im Buch versammelt sind. Erwähnen möchte ich aber Bonifatius, der im Sommer 751 an Papst Zacharias einen Brief schrieb und dieser Brief als Gründungsurkunde von Fulda gilt. Des Weiteren möchte  ich  auf die "Die blaue Blume" von Novalis hinweisen, weil diese Blume zuerst in einer hessischen Sage über den Odenberg bei Gudensberg erwähnt wird, demnach ebenso hessischen Ursprungs ist,  wie der Beginn der Romanhandlung "Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" von Thomas Mann, den man im Buch ebenfalls nachlesen kann: "Der Rheingau hat mich hervorgebracht,….. "

Gefallen hat mir, dass man die Ballade  "Lore Lay" von Clemens Brentano nicht vergessen hat, die er Jahrzehnte vor Heinrich Heines "Loreley" auf den Weg brachte. Brentano legte seine Ballade in die Zeit der Wirren der Hexenverfolgungen in unserem Land. 

Von Büchner kann man nicht wenige Textauszüge lesen. Der Hessische Landbote bleibt nicht ausgespart. 

Womit aber beginnen? Vielleicht mit Georg Christoph Lichtenbergs "Über die Macht der Liebe" oder vielleicht mit dem Märchen "Brüderchen und Schwesterchen" der Gebrüder Grimm, das wie alle Märchen, uns die Chance bietet,   viel über die Psyche der Menschen und ihre Traumwelten in Erfahrung zu bringen oder  vielleicht  doch  mit  Goethes Gedicht an Marianne?

Liebchen ach! im starren Bande
Zwängen sich die freien Lieder
Die im reinen Himmels-Lande
Munter folgen hin und wider.
Allem ist die Zeit verderblich
Sie erhalten sich allein.
Jede Zeile soll unsterblich
Ewig wie die Liebe  sein.
1815

Empfehlenswert 

Helga König

http://www.verlagshaus-roemerweg.de/Waldemar_Kramer/Heiner_Boehncke-Hans_Sarkowicz-Literaturland_Hessen-EAN:9783737404594.html

Rezension: Literaturland Hessen- Literarische Streifzüge durch die Mitte Deutschlands- Heiner Boehncke, Hans Sarkowicz

Autoren dieses beeindruckenden Buches sind Prof. Dr. Heiner Boehncke, der vergleichende Literaturwissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt/Main lehrt und Hans Sarkowicz, der Leiter des Ressorts Literatur und Hörspiel im Hessischen Rundfunk. "Literaturland Hessen" nennt sich ein Projekt, das seit 2004 von hr –Kultur, der Kulturwelle des Hessischen Rundfunks, dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst und dem Hessischen Literaturrat getragen wird. 

Erinnert wird an bedeutende Autorinnen und Autoren, an literarische Traditionen, Epochen, Verlage, Dichterhäuser, literarische Orte und Landschaften in Hessen. Das Projekt soll nicht als Literaturgeschichte begriffen werden, sondern soll Hauptlinien der Literatur in Hessen darstellen. Einen Verein der Freunde und Förderer des Literaturlandes Hessen e.V. gibt es übrigens seit 2011.

Das Buch ist in 10 Kapitel untergliedert und enthält eine Fülle von Informationen. Dabei geht es im ersten Kapitel um die Literaturstadt Frankfurt: Von Karl dem Großen bis zur Gegenwart. Seite für Seite lesen sich die Texte spannend. Sei es, wenn es um die Anfänge der Frankfurter Buchmesse geht oder um die Frankfurter Judengasse im Spiegel zeitgenössischer Berichte und man im Rahmen der einzelnen Beiträge auch stets aufs Neue alte Textauszüge lesen kann, die vortrefflich eingebunden, zum Gesamteindruck beitragen.  So liest man u.a. einen Auszug aus Heinrich Heines "Der Rabbi von Bacharach", der gerade einem Pogrom entkommen mit seiner Frau Sara nach Frankfurt an die Pforte des Ghettos kam.

"Aber auch in Frankfurter Kaufläden konnte die Literatur gedeihen. Das zeigt das Beispiel der Geschwister Brentanos…“ So beginnt der Beitrag über die Geschwister Brentano, die sicher vielen bekannt sind, vor allen Bettine, deren Großmutter übrigens die Schriftstellerin Sophie von La Roche war. Bettine, eine großartige Frau, die ihre gesellschaftliche Stellung dazu nutzte, um sich gegen das Elend der Massen ebenso zu engagieren wie für verhaftete Oppositionelle.

Ludwig Börne, auch die Frankfurter Nationalversammlung werden thematisiert und so vieles andere mehr, unmöglich es hier zu benennen. Auf Seite 72 angekommen, lese ich, dass die Frankfurter Kaufmannsfamilie Frank im Sommer 1933 ihre Heimatstadt Frankfurt verließ. Ihre Tochter Anne war gerade 4 Jahre alt. Über Aachen gelangte die Familie nach Amsterdam. Dass Anne 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen starb, ist gewiss vielen bekannt und ihr Tagebuch haben auch nicht wenige gelesen, doch wer weiß schon, wo sie einst in Frankfurt wohnte?

Ich lese hier auch von Bertha Pappenheim, deren jüdisches Kinderheim 1938 niedergebrannt wurde, damals war sie  bereits nach schwerer Krankheit gestorben, nachdem die Gestapo sie 1936 verhaftet hatte. 

Auch über Marcel Reich-Ranicki  wird man informiert. Er begann 1958 bei der FAZ als Rezensent, dann trennten sich die Wege wieder,   denn er wurde 1960-1973 Literaturkritiker der Zeit, anschließend erst Leiter des Literaturblatts der FAZ und ab 1988 dann Moderator des Literarischen Quartetts. 

Was hier im Buch an Information geliefert wird, ist geradezu unglaublich: "Mit Goethe durch Hessen" habe ich besonders aufmerksam gelesen. Sehr gut geschrieben.

Die literarischen Streifzüge führen u.a. nach Kassel, wo einst  auch der Dichter Rilke weilte, nach Arolsen, auch nach Darmstadt, wo sich Goethe oft aufhielt und dort viele Freunde hatte. Karl Krolow starb 1999 in Darmstadt, ein begnadeter Lyriker, dessen Gedichte ich nun erneut lesen werde.

Anregend ist es, durch die Originaltexte im Buch zum Weiterlesen motiviert zu werden. Sei es im Hinblick auf die Gebrüder Grimm oder auch auf Minnesänger, wie etwa Konrad von Bickenbach oder Bligger von Steinach, die mir bislang nicht bekannt waren. 

Grimmelshausen galt im 17. Jahrhundert als einer der bedeutendsten deutschen Dichter. Der Autor des Simplicissimus Teutsch stammt aus Gelnhausen. Ich fand es sehr interessant,  mehr über seine Herkunft zu erfahren, aber auch über sein Leben, weil sich sein Buch auf diese Weise besser erschließt. 

Alle Städte, die hier gestreift werden, kann ich in der Rezension unmöglich aufführen, doch Wetzlar ist ein Muss, schon wegen Goethe, doch auch Bad Soden, Bad Nauheim und Wiesbaden sind eine Fundgrube für einen literarischen Streifzug. Georg Büchner und der Vormärz in Hessen wird sehr gut dargestellt und motiviert, sich in die Thematik zu vertiefen. Dann ist da noch "Hessens sonniger Süden", der mich, die ich dort geboren wurde, natürlich besonders interessiert, hier u.a. Orte wie Trebur und Lorsch, uralte Orte mit großer Geschichte, des Weiteren die Burgen an der Bergstraße, aus einer dieser Burgen stammte der Minnesänger Konrad von Bickenbach. Auf dessen Texte  bin ich besonders gespannt.


Ein gelungenes Buch. Ich empfehle es gerne. 

Helga König


Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zum Verlag Waldemar Kramer und können das Buch bestellen.http://www.verlagshaus-roemerweg.de/Waldemar_Kramer/Heiner_Boehncke-Hans_Sarkowicz-Literaturland_Hessen-EAN:9783737404587.html. Sie können es aber auch direkt bei Ihrem Buchhändler um die Ecke ordern.

Rezension Peter J. König- Montecristo - Martin Suter- Diogenes

Martin Suters Roman "Montecristo", erschienen im Schweizer Diogenes Verlag hätte sich für die Veröffentlichung kein besseres Timing aussuchen können, als die aktuelle Periode um die Verhaftungen und bestürzenden Aufdeckungen rund um den Weltfußballverband FIFA in Zürich. Nicht nur, dass die Thematik dieses Werkes von Suter sich in der gleichen Grauzone und dem kriminellen Milieu bewegt wie die korrupten Machenschaften rund um die FIFA-Zentrale am Zürichberg, nein, auch der Protagonist Jonas Brand ist genau in jener Stadt zuhause. 

Und hier entwickelt sich der Romanverlauf, der ähnlich unglaublich und perfide ist, wie die aktuellen Enthüllungen in Sachen Weltfußball. Ob dies völlig dem Zufall geschuldet ist, oder ob der Schweizer Autor Martin Suter mit "Montechristo" versucht hat, wohlverstandene Andeutungen zu verarbeiten, dies ist letztendlich der Interpretation jedes einzelnen Lesers überlassen. 

Fakt jedenfalls ist, dass die Schweizer Bankenwelt arge Verluste bezüglich ihrer einstmals exzellenten weltweiten Reputation hinnehmen musste, nachdem die US-Finanzbehörden sie öffentlich der Geldwäsche und Steuerhinterziehung angeklagt haben, mit dem Ergebnis alle Konten von amerikanischen Steuerhinterziehern offen zu legen und zukünftig kooperativ mit den US-Behörden zusammen zu arbeiten. Genau dies ist das Milieu, indem sich Suters Roman bewegt, das Milieu der Schweizer Großbanken und ihrer Verstrickungen. 

Der Video-Journalist Jonas Brand, der sich mit Filmgeschichten für das Boulevard über Wasser hält, wird aufgeschreckt durch die Vollbremsung des abendlichen Intercitys, der die Pendler von Zürich nach Basel bringt. Der Speisewagen ist besetzt mit übermüdeten Bankern, die zu ihren Familien zurückkehren. Der abrupte Stop inmitten eines Tunnels und das aufgeschreckte Zugpersonal sind für Brand Zeichen genug, sofort mit seiner Videokamera aktiv zu werden, um einem Schaffner zum nächsten Ausgang zu folgen.

Aus der geöffneten Zugtür sieht er im diffusen Licht eine gekrümmte Leiche neben dem Intercity liegen. Trotz schlechter Bildqualität entscheidet er sich die gespenstige Szene aufzunehmen. Zurück im Speisewagen, verbringt er die anschließende Wartezeit mit kurzen Bildinterviews der Fahrgäste in der Hoffnung, diese bei den aktuellen Nachrichten eines Senders unterzubringen. Dies ist jedoch nicht die Welt, die Jonas Brand sich vorgestellt. Er sieht sich als der geborene Regisseur, der Filmemacher für das ganz große Kino. Schon einmal hat er sich mit seinem Projekt "Montechristo" bei der Schweizer Filmförderung beworben, einer modernen Fassung des Klassikers "Der Graf von Montechristo", leider jedoch mit wenig Erfolg. Aufgeben aber ist seine Sache nicht. Seine Chance wird kommen, da ist sich Brand ganz sicher. 

Der Zufall will es, dass Jonas Brand einige Tage später zwei 100 Franken-Noten in die Hände bekommt, die exakt die gleichen Ziffern haben. Dass hier etwas nicht stimmen kann, ahnt er sofort. Welche blutigen Machenschaften und Betrügereien im ganz großen Stil damit allerdings verbunden sind, die die gesamte internationale Finanzwelt aus den Fugen geraten lassen können, wird ihm auch dann nicht klar, als er überraschend doch noch eine Zusage für sein Filmprojekt "Montechristo" erhält. 

Was seine neue Freundin Marina Ruiz anbetrifft, einer Eventmanagerin, da ist sich Brand allerdings ganz sicher, dass sie in der größten Gefahr seine einzig verbliebene Vertraute ist. Wenn er sich da nicht ein weiteres Mal irrt?

Martin Suter, der Schweizer Erfolgsautor mit Bestsellerqualität und einer riesigen Fangemeinde hat hier erneut einen spannenden Roman verfasst, der so direkt und wirklichkeitsnah erzählt ist, dass der Leser keinen Augenblick zögert, hinter allem vertuschte Realität zu vermuten. Dass die Fiktion des Romans eine derartige Wirklichkeit ausstrahlt, zeigt zum einen die großen schriftstellerischen Fähigkeiten von Martin Suter, zum anderen aber auch wie gut er sich in dem Metier der Schweizer Bankenwelt auskennt oder zumindest wie exzellent er recherchiert hat. Dies gilt auch für das jeweilige Milieu, in dem sein Protagonist sich bewegt. Gleichgültig wo auf der Welt er gerade ist, wie z. B. im Hotel Oriental in Bangkok, immer hat der Leser das Gefühl unmittelbar dabei zu sein. Der Wiedererkennens- Wert ist äußerst faszinierend. 

Sehr empfehlenswert

Peter J. König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zum Diogenes-Verlag und können das Buch dort bestellen. Sie können es aber auch direkt bei Ihrem Buchhändler um die Ecke ordern http://www.diogenes.de/leser/katalog/nach_autoren/a-z/s/9783257069204/buch

Rezension: Die Frau auf der Treppe- Bernhard Schlink- Diogenes

Bernhard Schlink wird im Juli 71 Jahre alt. Der Schriftsteller gehört demnach vom Alter her der 68 er Generation an. Als Juraprofessor lehrte der Romancier bis 2009 an der Humboldt-Universität in Berlin Öffentliches Recht und Rechtsphilosophie und hat mit dem Roman "Der Vorleser" 1995 einen internationalen Bestseller geschrieben, dem andere Bücher und eine Fülle von Ehrungen folgten. 

Mit "Die Frau auf der Treppe" legt Schlink einen Roman vor, der u.a. in der Kunstszene spielt und in dem die 68er-Vergangenheit mit dem Jetzt zeitreisend verquickt worden ist. 

Drei Männer mit ihren egoistischen Ansprüchen tummeln sich um eine vormals schöne, unangepasste Frau, die man als Metapher jener längst vergangenen Zeit interpretieren kann und überleben diese schließlich als in die Jahre gekommenen, wohlsituierten Herren. 

Irene, einst Kunststudentin mit revolutionärem Anspruch, nun Krankenschwester in Australien, scheint- obgleich  jünger als diese Männer, alt geworden und stirbt schließlich an Krebs. 

Weshalb wollen die Männer nach 40 Jahren diese Frau nochmals sehen? Letztlich aus dem gleichen Grund, weshalb andere Trophäen dieser Männergeneration neuerdings vor die Scheinwerfer gezerrt werden. Um sich zu versichern, jene schöne Zeit sei hässlich geworden,  man muss ihr nicht mehr nachtrauern. Auf Bildern konserviert, kann man sich für Minuten zurücksehnen, sich  für Momente nochmals jung fühlen. Doch die Realität zeigt  etwas anderes. Diesen Spuren der Zeit, ja dem Zeitgeist selbst,  kann die Schöne von gestern nicht entgehen. 

Schlink legt der jungen Irene einen Gedanken in den Mund, der zum Schlüssel des Romans wird: "Zum Jungsein gehört das Gefühl, alles könne wieder gut werden, alles, was schief gelaufen ist, was wir versäumt, was wir verbrochen haben. Wenn wir das Gefühl nicht mehr haben, wenn Ereignisse und Erfahrungen unwiederbringlich werden, sind wir alt. Ich habe das Gefühl nicht mehr."

Damals war Irene 20 Jahre alt, doch ihre Zeit war bereits vorbei, sie wusste es, weil der 68er Frühling schon beendet war und genau deshalb alterte sie rasch. Alles hat seine Zeit, auch die wirklichen Protagonisten in der Zeit.

Was den Männern blieb, war der Traum von einer schönen, unangepassten Frau, mit der keiner wirklich längerfristig zu leben gedachte, sondern sie nur ab und an als Gemälde bewundern wollten, von dem man nicht genau sagen konnte, ob es letztlich gnadenlos kitschig war. Ein Gemälde, geschaffen von einem Künstler, dessen kreativste Zeit vor über 40 Jahren schon zu Ende gegangen war....

Haben alle, letztlich auch der Ich-Erzähler, Verrat begangen an der schönen Frau ihrer Jugend-Träume? Diese Frage sollte jeder für sich selbst beantworten.

Ein tiefsinniger Roman. 

Empfehlenswert. 

Helga König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zu Diogenes und können das Buch bestellen:http://www.diogenes.de/leser/katalog/nach_autoren/a-z/s/9783257069099/buch

Rezension: Reden, die unsere Welt veränderten- Insel

Dieses Buch enthält 64 der berühmtesten Reden aus unterschiedlichen Jahr- hunderten. Dabei führt der britische Historiker und Bestsellerautor Simon Montefiore in dieses beeindruckende Werk ein und verdeutlicht zunächst, was eine große Rede ausmacht.

Nicht zwingend müsse sie ihre Zeit erfassen; durchaus könne sie auch Ausdruck einer großen Lüge sein.

Die vorliegende Sammlung enthält nicht wenige ewige Wahrheiten und die meisten dieser Reden zeichnen sich durch eine einfache, klare Sprache aus

Manchmal ist die Geisteshaltung des Redners durch Wahn gekennzeichnet und so muss mann erkennen, dass Worte durchaus auch Sachverhalte verzerren und verschleiern können, d.h. nicht nur zu enthüllen und zu erleuchten vermögen. Wie Montefiore zutreffend schreibt, offenbaren viele der Reden die Charaktermängel aber auch die Tugenden der Redner. 

Vor allen Reden ist stets der historische Hintergrund skizziert, zudem erhält man einen biografischen Überblick. Auch ein Foto oder Gemäldeabdruck des Redners ist dabei und schließlich die Rede selbst. 

Auf 64 Reden hier näher einzugehen führt zu weit. Natürlich ist es erhellend die Reden der Despoten wie Hitler und Stalin zu lesen, aber berühren können diese nicht. 

Das können  Reden  wie die Neujahrsansprache zur kommunistischen Vergangenheit, vom 1. 1. 1990, von Václav Havel, die ich hier am liebsten vollständig wiedergeben würde und noch mehr die Rede des Friedensnobelpreisträgers Professor Elie Wiesel, die er am 12.4.1999 zu den unheilvollen Ereignissen des 20. Jahrhunderts hielt. 

Aus dieser Rede möchte ich einige Zeilen zitieren: "Gleichgültigkeit löst keine Reaktion aus. Gleichgültigkeit ist keine Reaktion. Gleichgültigkeit ist kein Anfang, sondern ein Ende. Und daher ist Gleichgültigkeit immer der Freund des Feindes, denn er nützt dem Aggressor- nie seinem Opfer, dessen Schmerz noch wächst, wenn er oder sie sich vergessen fühlt. Der politische Gefangene in seiner Zelle, das hungrige Kind, der heimatlose Flüchtling- auf ihre Not nicht zu reagieren, ihre Einsamkeit nicht zu mildern, indem man ihnen einen Funken Hoffnung bietet, heißt sie aus dem Gedächtnis zu tilgen.“ 

Ich empfehle das Buch ausdrücklich zum besseren Verständnis im Hinblick auf Gut und Böse, aber vor allem, um zu erkennen, wodurch sich redliche und dabei sehr mutige Menschen von anderen in Geisteshaltung und  ihren Worten unterscheiden.  

Empfehlenswert.

Helga König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zum Verlag und können das Buch bestellen. Sie können es aber auch direkt bei Ihrem Buchhändler ordern.http://www.suhrkamp.de/buecher/reden_die_unsere_welt_veraenderten-_17627.html

Rezension Peter J. König: Unterwerfung- Michel Houellebecq - Dumont

Einer der besten zeitgenössischen Schriftsteller Frankreichs, Michel Houellebecq, er wurde bereits mit dem angesehensten Buchpreis ausgezeichnet, den die "Grande Nation" verleiht, nämlich dem "Prix Goncourt", hat in seinem neuen Roman "Unterwerfung" wieder einmal die aktuellen Probleme unserer Zeit in seiner ureigenen Erzählweise angesprochen. Dabei handelt es sich um die kulturellen Auseinandersetzungen, die schon seit einigen Jahren Frankreich erschüttern. Begonnen hat alles mit den Unruhen in den tristen "Banlieues", also den Vorstädten von Paris und anderen großen Städten, wo muslimische Jugendliche auf ihre persönliche Ausweglosigkeit mit Gewaltexzessen antworteten. 

Dieses Szenario hat Houellebecq weiter entwickelt, indem er eine fiktive politische Situation aufzeichnet, wie sie in naher Zukunft sich darstellen könnte. Die zwei großen Parteien auf der rechten und linken Seite des politischen Spektrums, also Konservative und Linke haben sich verschlissen, die größten Chancen bei der bevorstehenden Präsidentenwahl haben der Kandidat der Muslimbruderschaft und Marine LePen vom Front National. 

Houellebecqs Protagonist Francois, ein Hochschullehrer für Literatur, der über das Leben und die Arbeit des dekadenten Schriftsteller Huysmans forscht und lehrt, erlebt direkt den Machtkampf um das französische Präsidentenamt, wobei zwei extreme Anschauungen aufeinanderprallen, die des ultrarechten Front National und die der Muslimbruderschaft mit seinem islamischen Fundamentalismus. 

Im Zuge der Wahl kommt es zu Ausschreitungen, als klar wird, dass der Kandidat der Muslime sich berechtigte Hoffnungen machen kann, die Präsidentschaft zu gewinnen. Frankreich steht am Rande eines Bürgerkrieges. Obwohl dies verhindert werden konnte, kommt es nach dem Wahlsieg der Bruderschaft zu totalen gesellschaftlichen Veränderungen, die alle Bereiche des öffentlichen Lebens erfassen. 

Auch Francois ist unmittelbar betroffen, als ihm nahegelegt wird, seine Lehrtätigkeit einzustellen, um in den vorzeitigen Ruhestand zu gehen, da seine Thematik im Sinne des Islam nicht erwünscht ist. Ausgestattet mit einer üppigen Pension macht er sich auf den Weg Frankreich in Richtung Spanien zu verlassen. 

Michel Houellebecq wäre nicht Michel Houellebecq wenn sein Roman "Unterwerfung" nicht wie seine früheren Werke sich durch eine gehörige Portion Provokation, gepaart mit Ironie, einer möglichen Vision und durch eine schonungslose Sprache auszeichnen würde. Wie alle seine früheren Akteure ist auch Francois vom Leben enttäuscht, geradezu angewidert, da helfen auch seine permanenten sexuellen Wechselbeziehungen zu seinen Studentinnen nichts. 

Doch dies ist nur der äußere Rahmen den Houllebecq stets wählt um eine tiefere Problemwelt aufzuzeigen. In "Unterwerfung" sieht der Autor einen Machtkampf der Kulturen heraufziehen und er scheut sich nicht den Ausgang dieser Auseinandersetzung zu thematisieren. Als gesellschaftlicher Vordenker hat Houellebecq es immer verstanden zu polarisieren, ohne Rücksicht auf seine eigene Person. Es ist schon irgendwie schicksalshaft, dass das Erscheinungsdatum zu seinem neuen Roman "Unterwerfung" unmittelbar mit dem Attentat auf die Macher des Satiremagazins "Charlie Hebdo" zusammenfällt, wird dadurch doch die Fiktion des Buches durch die Realität eingeholt. 

So brutal die realen Ereignisse sich darstellen, so schonungslos ist auch die Sprache, die für Houellebecq so typisch ist. Ungeschminkter Realismus, tabulos und direkt, damit tritt der Autor an seine Leser heran. Für viele mag das abstoßend sein, aber hierin liegen die große Stärke und die unverkennbare Einzigartigkeit des Schriftstellers Houellebecq. 

Das Spannungsfeld zwischen dem Sinn des Lebens und einer permanenten Sinnlosigkeit, hierauf versteht sich Houellebecq meisterlich. Hinzu kommt eine große Intellektualität, die dem Leser ständig eigene Fragen stellt, unabhängig von der politisch gesellschaftlichen Entwicklung, wie sie der Roman zeigt. "Unterwerfung" von Michel Houellebecq, erschienen im Dumont-Verlag ist ein bedeutendes Buch, das durch seine Aktualität einen intellektuellen Beitrag zur jetzigen Situation in der europäischen Gesellschaft leistet. Darüber hinaus zeigt es einen großartigen Houellebecq, der verdeutlicht welchen außergewöhnlichen Rang er in der französischen und europäischen Literatur einnimmt.

Sehr empfehlenswert

Peter J. König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen sie zu Dumot und können das Buch bestellen.http://www.dumont-buchverlag.de/buch/Michel_Houellebecq_Unterwerfung/15170
Sie können es aber auch direkt  bei Ihrem Buchhändler vor Ort ordern.

Rezension: #Kameliendame- Alexandre Dumas

Der junge Bürgersohn Armand Duval verliebt sich Mitte des 19. Jahrhunderts in Paris in die schwindsüchtige Kurtisane Marguerite Gautier. Die bildschöne junge Frau wird von diversen Aristokraten auf hohem Niveau finanziert und steht ihnen im Gegenzug als glamouröse Begleiterin fürs Theater und für die Oper, nicht zuletzt jedoch für amouröse Spiele zu Verfügung. 

Marguerite gilt im damaligen Paris als eine der teuersten Mätressen. Armand weiß, dass er alleine ihren hochpreisigen Lebensstandart niemals finanzieren kann und sich diese Frau insofern mit anderen Liebhabern teilen muss. 

Als Marguerite Armands Liebe zu erwidern beginnt und die beiden Verliebten gemeinsam aufs Land gehen, um ihre Zweisamkeit ungestört zu genießen, ermahnt Armands Vater den Sohn aus Vernunftsgründen diese unschickliche Beziehung zu beenden. Doch Armand möchte die gesellschaftlichen Gepflogenheiten, die zwar den Umgang mit Kokotten erlauben, aber feste Bindungen zu ihnen nicht vorsehen, keinesfalls akzeptieren. Deshalb bittet der alte Duval Marguerite sich der Konvention wegen von Armand zu trennen. 

Aus Liebe zu Armand willigt sie in den Wunsch seines Vaters ein und stirbt kurz darauf nicht zuletzt aufgrund ihres großen Kummers. Als Armand nach dem einsamen Tod seiner Geliebten die wahren Gründe ihrer für ihn bislang nicht nachvollziehbaren Trennung erfährt, ist er untröstlich.... 

Dumas setzt sich in diesem Roman mit der gesellschaftlichen Doppelmoral seiner Zeit auseinander. Er zeigt die Halbwelt, in der nicht nur Maitressen, sondern auch die Spieltische so manchen jungen Mann ruiniert haben und von Haus aus unbegüterte, hübsche Mädchen wegen der subtilen Verlockungen durch den Luxus letztlich ins Elend getrieben wurden. 

Ein immer wieder ergreifender Roman!

Empfehlenswert.

Helga König

Im Fachhandel erhältlich.

Rezension: Die Hexe von Freiburg- Astrid Fritz

Die Germanistin Astrid Fritz befasst sich in ihrem packend geschriebenen Roman mit dem Leben und Sterben der Patrizierin Catharina Stadellmenin. Diese intelligente, couragierte und noch dazu schöne Frau hat in der zweiten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts in Freiburg gelebt und wurde, im Zuge des allgemeinen Hexenwahns aufgrund von diesbezüglichen Denunziationen inhaftiert, grausam gefoltert und gemeinsam mit zwei weiteren Damen der dortigen Oberschicht 1599 verbrannt.

Geboren als Tochter eines Marienbilder-Malers lebt Catharina zunächst in der Obhut ihres Vaters, der sie - für diese Zeit ungewöhnlich - lesen und schreiben lehrt. Nach dem Tod ihrer Mutter wächst das Mädchen bei ihrer Tante auf, um schließlich nach der unglücklich verlaufenden Liebe zu ihrem Vetter Christoph den Freiburger Zunftmeister der Schlossergilde und späteren Stadtrat Michael Bantzer zu heiraten. Die Ehe mit diesem Mann wird als missraten geschildert; Michael ist gewalttätig. Er demütigt Catharina öffentlich aber auch privat und prügelt sie erbarmungslos.

Als ihr Gatte unerwartet stirbt, erwirbt die Witwe, nach erheblichen Schwierigkeiten mit der Schlosserzunft, die sich die Hinterlassenschaft ihres Mannes zu großen Teilen aneignen möchte, eine Lizenz zum Bierbrauen und versucht auf diese Weise ihr zukünftiges Leben zu sichern. Zu diesem Zeitpunkt wird Catharina als Hexe denunziert, peinlich verhört und schließlich nach vorheriger Enthauptung , die aufgrund erfolgreicher Fürsprachen erfolgte, auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Christoph, ihre große Liebe, dem sie nach dem Ableben Michaels erneut begegnet war, erwies sich als wahrliche Stütze in Catharinas letzten Stunden.

Die Autorin hat einen hervorragend recherchierten Roman geschrieben. Sehr detailliert weist sie auf den Unterschied zwischen Land - und Stadtleben in damaliger Zeit hin, richtet ihren Blick auf Wohlstand und Armut, auf diese unüberbrückbaren Gegensätze mit ihren verheerenden Folgen in jener Zeit, so etwa für Kranke oder für Reisende. Vom Damoklesschwert , das über Hebammen hing, spricht die Autorin ebenso, wie über die tötlichen Gefahren, denen Frauen sich aussetzten, wenn sie sich zu Abtreibungen entschieden. Auch vom Zunftwesen ist die Rede, hauptsächlich von den sich daraus ergebenden Zwängen. Gezeigt wird am Beispiel Catharinas, welche Einschnitte in ihr tägliches Leben sie seitens der Gilde ihres Mannes akzeptieren musste.

So gab es demnach für Frauen nicht nur eine individuelle Bevormundung durch den Ehemann, sondern eine allgemeine durch einschlägige Männerbündnisse. Nicht zuletzt befasst sich die Autorin sehr ausführlich mit dem Hexenwahn, der in den Köpfen tobte. Es gelingt ihr, die Infamie aber auch die Absurdität der damaligen Gerichtsverhandlungen vor Augen zu führen und zu zeigen, dass die Chance einen so genannten Hexenprozess heil zu überstehen gleich Null war. Die Ursachen der Denunziationen, so erfährt man, waren in der Regel Neid, absonderliche Sexualprojektionen, der abstruse Zeitgeist und natürlich immer wieder Habgier, denn das Erbe dieser gepeinigten Frauen ging in der Regel an die Kirche oder an die weltliche Obrigkeit.

Der Fall Catharina Stadellmenin ist einer unter 100.000. Er ist exemplarisch für das Unrecht, das im Namen der Justiz an Frauen jener Zeit begangen wurde. 

Ein wirklich empfehlenswerter Roman.

Helga König

Im Fachhandel erhältlich