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Rezension:Der alte Mann und das Meer: Bild Nobelpreis Bibliothek (Gebundene Ausgabe)

Dieses optisch überaus gelungene Buch, das der sogenannten "Nobelpreis- Bibliothek" entnommen ist, habe ich auf der Frankfurter Buchmesse in die Hand gedrückt bekommen. Es wurde an alle Messebesucher, die an dem entsprechenden Stand vorbei schlenderten, kostenlos ausgehändigt.

Über Hemingway und seinen 1952 veröffentlichten Roman "Der alte Mann und das Meer" gibt es nichts mehr zu sagen. Den kleinen Roman habe ich in meinen bisherigen Leben mehrfach gelesen. Er beeindruckt mich noch immer. Wie ich meiner Reclamausgabe entnommen habe, las ich den Text als Zwölfjährige das erste Mal.

Ich werde den Inhalt des Buches nicht zusammenfassen, sondern nur die nüchterne Sprache Hemingways loben. Beispiel: "Es ist ein herrlicher Fisch, und ich muss ihn kleinkriegen, dachte er. Er darf nie erfahren, wie stark er ist oder was er tun könnte, wenn er loszöge. Wenn ich es wäre, würde ich jetzt alles auf eine Karte setzen und losziehen, bis was reißt. Aber gottlob sind sie nicht so klug wie wir, die sie töten, obwohl sie edler und fähiger sind," (Zitat. Seite 61).

Die Zuspitzung auf das Existenzielle macht den eigentlichen Reiz des Romans aus und das wird nicht nur in dem Satz deutlich, wo der alte Mann im Hinblick auf die Haie sagt: "Ich werde sie bekämpfen bis ich tot bin",(Zitat: S. 115).

Man muss wissen, welche Fische man zu fangen gedenkt und man muss seine Kräfte und die Gefahren genau einschätzen können. Das ist nicht einfach. Nur jene, die wirkliche Jäger sind, wissen um diese Dinge und verlieren nicht ihre glückliche Hand bei ihrem Tun. Schwäche wird immer bestraft. Das ist die Botschaft, die durch die Zuspitzung auf das Existentielle, zum Ausdruck gebracht wird. Hemingway ist kein Autor für weichgespülte Leser, aber er spricht durchaus auch Personen an, die keine extremen Stärkeverherrlicher sind. Immerhin.

Das Hardcover-Bändchen in der Farbe Weiß mit goldenen Lettern und einem goldenen Lesebändchen wirkt nebst durchsichtigem Schutzumschlag betont edel. Bestens ist die Kurzbiographie am Anfang und auch die präzise Inhaltsangabe.

Diese Ausgabe des Buches empfehle ich gerne weiter, weil sie meinen bibliophilen Neigungen entgegenkommt.

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Rezension: Egon Friedell- Vom Schaltwerk der Gedanken- Essays

Dieser Essayband des Kosmopoliten jüdischer Herkunft Egon Friedell enthält Essays zu Geschichte, Philosophie, Religion, Theater und Literatur.


Von den mehr als 60 Essays habe ich mit besonderem Interesse Friedells Reflektionen zu "Anna Karenina" gelesen. Der Essayist macht darauf aufmerksam, dass Tolstoi uns in diesem Roman in die Elemente des mikroskopischen Sehens unterweist und dass dies der pädagogische Wert aller großen Kunstwerke sei, (vgl.: S.294). Ich gebe zu, dass ich darüber bislang noch nicht nachgedacht habe, jedoch blitzschnell literarische Kunstwerke vor meinem geistigen Auge diesbezüglich "abscannte" und feststellen musste, dass Friedell Recht hat. Speziell trifft es auf Werke Dostojewskis zu, wie ich meine, aber auch auf jene von Balzac und auf jene von Thomas Mann. Man denke an den "Tod in Venedig".

Die Betrachtungen zu "Das Bild des Dorian Gray" bringen es auf den Punkt. Es ist tatsächlich unbegreiflich, wie man finden konnte, das dieser Roman unmoralisch sei und es stimmt auch, dass ganz gleich ob man ihn als Autobiographie, als Erbauungsschrift, als Parabel und als Aphorismensammlung auffasst, man immer richtig liegt. Doch derjenige, der das Buch als prächtige Scharade begreift, wird wohl am besten erkannt haben, was das Buch wirklich ist, so Friedell und auch das ist wahr.

Beim Lesen des Buches ist mir aufgefallen, dass ich mir zunächst jene Essays vornahm, die sich mit meinen Lieblingen befassten, dazu gehören Voltaire, Wolfgang Amadeus Mozart, Goethe und Schiller, Honore de Balzac, Gustave Flaubert, Jean Rousseau, Ralph Waldo Emerson, die Maler der Renaissance, Shaw, Wilhelm Busch, Lichtenberg und Michel de Montaigne. Alle diese Essays fanden inhaltlich meine volle Zustimmung, jedoch auch die Essays, zu Personen, die ich wohl niemals favorisieren würde, wie beispielsweise Richard Wagner. Auch diesen Essay habe ich mit großem Genuss gelesen und das will etwas heißen. Die Lust an der Intellektualität des Textes von Friedell war größer als meine Abscheu vor Wagner.

Leider ist es inhaltlich unmöglich, auf all die 60 Essays einzugehen. Gefallen haben mir tatsächlich alle und zwar wegen ihrer Weltläufigkeit und hohen, durch nichts eingegrenzten Intellektualität.

Ich möchte an dieser Stelle ein paar Sätze aus dem Essay zitieren, die uns alle nachdenklich stimmen sollten: "Aller Nationalismus und Patriotismus enthält nämlich ein Element der Isolierung, des Hasses und mit Hass kann man weder malen noch denken noch dichten, noch überhaupt etwas schaffen. Künstler können nicht polemisieren, befeinden: Sie sind Verklärer und Rechtfertiger alles Lebens. Sie verstehen ja nur darum von der Welt und ihrem Lauf mehr als andere, weil sie sie lieber haben; sie können nur darum alle menschlichen Empfindungen nachgestalten, weil sie alle als berechtigt anerkennen. Der Hass ist niemals zeugungsfähig, sondern immer nur die Liebe." (Zitat: S. 289).

Dem ist nichts hinzuzufügen, vielleicht nur, dass den wahren Künstlern meine ganze Liebe gilt.

PS: Am Ende des Buches hat man Gelegenheit die wichtigsten Lebensdaten des 1878 geborenen und 1938 verstorbenen Intellektuellen nachzulesen und sich in einem acht Seiten langen Beitrag von Wolfgang Lorenz über Egon Friedell kundig zu machen, der nach dessen Meinung eines vor allem war: ein dramatischer Denker.
Empfehlenswert.

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Rezension:Die Maske (Gebundene Ausgabe)

Dass der mittlerweile 85 jährige Siegfried Lenz ein großartiger Erzähler ist, dokumentiert er erneut in seinen, in diesem Buch vorliegenden fünf Erzählungen.

Der Stil dieses Ostpreußen hält mich nach wie vor gefangen, denn beim Lesen spüre ich noch immer diese eigenwillige Magie, mittels welcher Lenz seine Leser zu bezaubern vermag.

Bereits die erste Erzählung "Rivalen" ließ mich nachdenklich zurück. Was will der Erzähler uns mit auf den Weg geben? Hat er eine Botschaft in diesem Text versteckt?

Es geht um die Gefühlslage eines nicht mehr jungen Museumswärters und um seine Verliebtheit in ein Gemälde, das eine sehr schöne Frau zeigt.

Der in seinem Leben bislang unbescholtene Mann nutzt eine Gelegenheit, das Gemälde in seinen Besitz zu bringen, nicht weil er sich den Wertgegenstand aneignen möchte, sondern weil er den Anblick dieser schönen Frau nicht verlieren will, denn es wurden gerade andere Gemälde aus dem Museum entwendet. Kann er sicher sein, dass mit diesem Gemälde nicht Analoges geschieht?

Detlev Krells heimliche Freude ist der Anblick dieser Frau. Dieser Anblick lässt ihn vielleicht für Momente am Tag wieder jung sein, gibt ihm Kraft, den Alltagstrott zu überstehen.

Was für Detlev Krell der Anblick der schönen Frau auf dem Gemälde ist, mag für uns der allmorgendliche Anblick eines hübschen Mannes oder eine ebenso hübschen Frau auf eine Litfaßsäule sein, die uns auf dem Weg zum Arbeitsplatz entgegenlachen, sprich etwas eigentlich Imaginäres, was dennoch Glücksgefühle hervorruft.

Krells Gattin, die von der Freude ihres Mannes beim Anblick der Frau erfährt, reagiert hochgradig eifersüchtig, weil sie sich mit dieser Frau zu vergleichen anschickt und schließlich aus der Eifersucht heraus, destruktiv zu agieren beginnt. Negative Handlungen solcher Art finden täglich viele Millionen Male statt und das seit Jahrtausenden bereits. Doch die Menschen lernen daraus nichts. Sie hören nicht auf, sich zu vergleichen. Sie hören auch nicht auf, ihrem geliebten Partner sogar harmlose Träume zu zerstören, wenn sie das Gefühl haben, dass sie nicht den Mittelpunkt dieser Träume verkörpern. Sie zerstören selbst solchen Träume, deren Inhalt dem Träumenden noch nicht einmal klar sind, weil die Träume sich, wie das mystische Avalon in Nebel hüllen, damit der Träumende sich vor sich selbst nicht rechtfertigen muss.

"Rivalen" ist eine wirklich gelungene Erzählung, die trotz des fiktiven Inhalts ganz nah an der Wirklichkeit angesiedelt ist und die leise Bitte enthält, dem Herzens-Du alle Träume einfach zu lassen als Zeichen dafür, dass man es wirklich liebt, vor allem aber dessen Gegenliebe nicht pausenlos infrage stellt.

In der zweiten Erzählung, sie trägt nicht grundlos den Titel die "Die Maske", berichtet der Ich-Erzähler, ein junger Student, der die Semesterferien bei seinem Großvater, einem Kneipenbesitzer auf einer Insel zubringt, von seinem Verliebtsein in eine hübsches Mädchen, namens Lene, die auf dieser Insel lebt. Es geht in besagter Erzählung nicht nur um die Liebe, sondern auch um Tiermasken, die aus einem Container eines Schiffes stammen. Unter diesen Masken verbergen die Gäste in der Kneipe vergnügt ihre Gesichter. Sie verhalten sich schlagartig anders und zwar so, wie sie vielleicht gerne sein würden, es sich aber nicht getrauen.

Authentisches Verhalten, das eigentlich das Ablegen von Masken erforderlich macht, ist in der Erzählung von Lenz erst möglich, nachdem man sein Antlitz hinter einer Maske versteckt. Wer sich schon länger im Internet aufhält, weiß um diese Dinge und hat Gelegenheit, das wahre Ich von Menschen in ihren Tarnkappen kennenzulernen. Nicht immer ist das wahre Ich liebenswert, besonders dann nicht, wenn es Kindheitsverletzungen nicht verarbeitet hat.

Dennoch, es scheitert stets alles, wenn man sich nicht zur Authentizität entschließt, speziell in der Liebe, die stets heilend wirken kann. Das wird in dieser Erzählung von Siegfried Lenz deutlich.

Auch die weiteren drei Erzählungen befassen sich mit Verhaltensmustern von Menschen. Es führt allerdings zu weit, jetzt dies hier alles auszubreiten. "Der Entwurf" hat mich übrigens besonders berührt. Hier geht es darum, Distanz zu sich selbst und seiner momentanen Situation zu gewinnen. Wohl dem, der die Gnade hat, ein begabter Schriftsteller zu sein......

Den Kernsatz der Erzählungen habe ich zum Ende der 5. Erzählung gefunden. Er lautet: "Das Schicksal verzichtet oft auf Kommentare, es begnügt sich damit zuzuschlagen", (Zitat: S.123). Vielleicht ist es die Aufgabe eines guten Erzählers, durch seine Erzählungen die Kommentare zu liefern. Siegfried Lenz kommentiert mitfühlend und deshalb lese ich ihn immer wieder gerne.

Empfehlenswert.

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Rezension:Ein abenteuerliches Herz: Ernst-Jünger-Lesebuch (Broschiert)

"Der Wein hat Europa stärker verändert als das Schwert. Immer noch gilt er als Medium kultischer Wandlungen."

(Zitat: Ernst Jünger, Seite 249 aus "Annäherungen. Drogen und Rausch")

Sofern Sie sich einen Überblick über die Literatur Ernst Jüngers verschaffen möchten, sollten Sie sich mit diesem Lesebuch auseinandersetzen, das Heinz Ludwig Arnold herausgegeben hat und zwar mit spannend zu lesenden persönlichen Erinnerungen an den Schriftsteller, die er den ausgewählten Texten voranstellt.

Man hat Gelegenheit sich mit vielen Texten Jüngers zu befassen, darunter auch "In Stahlgewittern", "Das Abenteuerliche Herz" in der Fassung von 1929 und 1938, "Auf den Marmorklippen" und die "Gläsernen Bienen".

Jüngers Denken finde ich in erster Linie subtil. Stilistisch ist er natürlich brillant. Das will ich an dieser Stelle an einem Beispiel deutlich machen: "Die weibliche Energie ist stärker, wenn auch weniger sichtbar, all die männliche. Sie ist durchdringend, minder sprunghaft, waltender. Sie ist biegsamer und doch härter als die berühmte Stahlklinge. Aber wie Stahl hat sie diese Tugend nicht von Anfang an besessen, sondern erworben, indem sie im kalten Bade geschreckt wurde."
(Zitat: S. 350, aus : "Eine gefährliche Begegnung").

Wir sehen also, Jünger schreibt nicht nur exzellent, sondern er war ein vortrefflicher Beobachter. Grund genug sich mit ihm zu befassen, auch wenn uns seine Beobachtungen "In Stahlgewittern" interpretatorische Magenschmerzen bereiten.

Empfehlenswert.

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Rezension:Gesten radikalen Willens (Broschiert)

Das vorliegende Buch enthält acht Essays der 2004 verstorbenen amerikanischen Intellektuellen Susan Sontag. Übersetzt wurden die Essays aus dem Amerikanischen von Jörg Trobitus. Das Nachwort hat Professor Münkler verfasst, der Politikwissenschaften an der Berliner Humboldt Universität lehrt.

Sontags politische Texte aus der zweiten Hälfte der 1960er Jahre sind, wie das Beispiel "Was Amerika geschieht" zeigt, von tiefer Enttäuschung geprägt. Wie man erfährt kritisiert die Intellektuelle die Welt und deren Verhältnisse auf eigene Faust. Sie kann sich, wie die Essays deutlich machen, weder auf die Rückendeckung philosophischer Systeme verlassen, noch will sie als Bestandteil einer größeren politischen Bewegung rubriziert und von dieser vereinnahmt werden.

Wer sich für das Denken der Intellektuellen in jenen Jahren interessiert, ist gut beraten Essays wie "Was in Amerika geschieht", "Die Fahrt nach Hanoi" oder auch die "Ästhetik des Schweigens" und all die anderen Essays im Buch zu lesen und lernt zu begreifen, was junge Menschen in jener Zeit umtrieb, auf die Straße zu gehen.
So liest man auf Seite 236 "Denn die amerikanische Macht ist vor allem von ihrem Ausmaß her unanständig. Doch zugleich beleidigt die Ausprägung des amerikanischen Lebens die Möglichkeit menschlichen Wachstums, und die Verunstaltung der amerikanischen Lebenswelt durch technischen Schnickschnack und Autos und Fernsehen und Fertigbauweise verroht die Sinne und macht aus den meisten graue Neurotiker und aus den besten von uns Geistesathleten und schrille Selbsttranszendierer."

Ich will nich unerwähnt lassen, dass Susan Sonntag kurz vor ihrem Tode den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhielt.

Empfehlenswert.

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Rezension: Kleist: Das große Lesebuch (Broschiert)

Im Zustand innerer Perspektivlosigkeit und weitgehender materieller Mittelosigkeit hat sich der Dichter Heinrich von Kleist am 21.November 1811 am Ufer des Kleinen Wannsees in Berlin erschossen, erfährt man im Rahmen der Daten zu Leben und Werk des Aristokraten, zum Ende des vorliegenden großen Lesebuchs.

Der Herausgeber Clemens von Meyer hält eine Auswahl von Texten des Dichters parat, die den Leser neugierig auf die Werke Kleists machen. Man hat Gelegenheit Briefe Kleists zu lesen, so etwa an Ulrike Kleist oder auch an Wilhelmine Zenge, wird mit seinen Werken "Michael Kohlhaas", "Das Erdbeben von Chili" und "Penthesilia" vertraut gemacht und hat die Chance, sich mit dessen Essays wie etwa "Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden" auseinanderzusetzen.

Clemens Meyer hat nach meinem Dafürhalten eine gute Textauswahl getroffen, die dem Leser Heinrich von Kleist in seiner Vielfalt des Denkens näherbringt. Mein Lieblingswerk des Dichters bleibt "Penthesilia", das ich vor einigen Jahren auf Amazon bereits rezensiert habe. "Michael Kohlhaas" bereitet mir immer wieder Magenschmerzen. Es ist nicht einfach die richtigen Lehren aus dessen Verhalten zu ziehen. Über diesen Text kann man Stunden diskutieren, ohne zu einem endgültigen Urteil zu gelangen. Das macht das Niveau dieses Werkes aus, bei dem schon mancher im Urteil - trotz seitenlanger Argumentation - zu kurz gesprungen ist. Ich finde es immer wieder amüsant, wenn eingefleischte Rechthaber es besser als Kohlhaas zu wissen glauben.:-))

Empfehlenswert.

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Rezension: Liebespaare des Mittelalters (Gebundene Ausgabe)

In diesem hübsch illustrierten Buch von Prof. Dr. Volker Mertens werden 33 berühmte Liebespaare aus der Geschichte und Literatur des Mittelalters vorgestellt.

Einige der Liebespaare sind mir bekannt, so etwa Tristan und Isolde, Lanzelot und Ginevra, Elisabeth und Ludwig von Thüringen, Heloise und Abaelard, Eleonore und Heinrich von England, Siegfried und Krimhild, Lohengrin und Elsam, Agnes Bernauer und Herzog Albrecht sowie Dante und Beatrice. Andere Liebespaare habe ich durch das Buch erst kennengelernt. Dazu zählen u.a. Leila und Madschun, Magelone und Peter als auch Heinrich und die Bauerntochter.

Was lässt uns Leser immer wieder neugierig in alten Liebesgeschichten stöbern? Vielleicht ist es latente Sehnsucht, die unsere diesbezügliche Leselust fördert. Ich halte dies zumindest für möglich.

Wie muss eine Liebesgeschichte "gestrickt" sein, um noch nach Jahrhunderten erzählt zu werden?

Sie muss sich offenbar in erster Linie von der alltäglichen Liebe abheben, muss spektakulär sein und ist dann besonders berührend, wenn ihr Ende traurig ist.

Agnes von Bernauer und Tristan sterben, Elsam wird verlassen. Bei den meisten anderen Liebespaaren im Buch ist auch kein Happy End vorgesehen.

Mein Lieblingsliebespaar aus dem Mittelalter bleibt auch nach der vorliegenden Lektüre Heloise und Abelard. Der Philosoph Petrus Abaelard schreibt seiner schönen, hochintelligenten Geliebten "Glücklich im Grabe mit Dir- nichts sonst bleibt noch der Liebe,"(Zitat S. 75). Nach einer Tragöde gab es für die beiden immerhin noch die Möglichkeit einander Briefe zu schreiben und Heloise schreibt: "Und wenn der Kaiser käme, mich zu ehelichen, wenn er mir die ganze Erde schenkte, so möchte ich doch lieber Deine Dirne heißen und wäre stolz darauf, als seine Kaiserin", (Zitat: S. 83).


Dieses Liebespaar liegt auf dem Friedhof "Pére Lachaise" in Paris begraben und man soll das Grab selten ohne frische Blumen sehen. Nicht nur Liebende aus aller Welt spüren, dass das Band zwischen Abaelard und Heloise ein ganz besonderes war.

Ich kann bei keinem einzigen Paar im Buch eine solche Intensität von Liebe erkennen wie bei Abaelard und Heloise.

Gefreut habe ich mich, auf den letzten Seiten ein Minnelied Walter von der Vogelweides lesen zu dürfen, das mich immer wieder ob seiner Leichtigkeit entzückt. "Unter den linden" ist ein schöner Beginn für eine Liebesgeschichte. Leider endet eine Liebe, die in die Geschichtsbücher eingeht, selten selten so.

Empfehlenswert.

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Rezension:Man muß lieben um zu dichten (Broschiert)

"Man muss lieben um zu dichten" von Klaus Tudyka thematisiert Goethe in Rom, den Eros und die Römische Geliebte.

Tudyka gelingt es, die Atmosphäre Roms zu Zeiten Goethes einzufangen, den Dichter in seiner Kunstbeflissenheit zu skizzieren, die Episoden um die Malerin Angelika Kaufmann in schnellen Strichen aufs Blatt zu bannen und schlussendlich aufzuzeigen, auf welche Weise Goethe in Rom wieder zu sich selbst fand.
Goethekenner wissen, dass der Dichter sich in Rom neu verliebt hat. Dadurch bekam sein Leben in der Stadt einen anderen Sinn. "Bislang liebte er Rom- Jetzt liebt Rom ihn. Juno Ludovisi scheint ihm freundlich zuzunicken, die Stanzen, Loggien und Tapisserien Rafaels sind sein eigen geworden, der Apoll von Belvedere winkt ihm freundschaftlich zu, in seinem innersten hat Rom durch die Römerin endgültig einen Herzplatz erobert und er selbst in Rom seinen Lieblingsplatz gefunden." (Zitat: S.38)

Goethe erlebt angeblich in Rom das erste Mal freizügige Erotik und genießt die Sinnlichkeit, die ihn später in die Arme von Christiane treibt.
Charlotte seine "ferne Geliebte im Norden" spielt nur noch eine Nebenrolle, seine allabendlichen Briefe an sie wollen nicht mehr gelingen, "bei seinen schriftlichen Liebesschwüren streikt der Gänsekiel".

Goethe hat in Rom die Wollust entdeckt und mit ihr Facetten der Liebe, die ihm zuvor fremd waren. Zu diesen zählte offenbar auch die Eifersucht.

War die Liebe zu Charlotte immer ein wenig göttlich, so ist die Liebe zu der sinnesfrohen Römerin sehr irdisch. Goethe entdeckte in Rom seine Sinnlichkeit und an dieser hielt er in den Folgejahren fest. Das war nur möglich, indem er von Charlotte Abstand nahm, denn sie war eine intellektuelle Hofdame, deren Selbstbild Contenance erforderlich machte, vermutlich auch im Liebesspiel.

Empfehlenswert.

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Rezension: Mann von Stein: Monolog des Dritten im Bunde (Taschenbuch)

"Mann von Stein- Monolog des Dritten im Bunde" von Klaus Tudyka habe ich mit großem Interesse gelesen, weil hier ein berühmter Gehörnter zu Wort kommt. Gehörnt ist meines Erachtens nicht nur der Gatte, dessen Angetraute mit einem anderen Mann den Beischlaf vollzieht, sondern auch jener, dessen Frau, wie Charlotte eine platonische Liebesbeziehung mit einem anderen Adam lebt. Gehörntsein ist keine Schwäche, wie das Beispiel Mann von Stein zeigt.

Charlottes Ehemann ist sich nicht sicher, ob seine Frau mit Goethe eine intensive sexuelle Beziehung pflegte oder auch nicht. Tatsache ist, dass sie sieben ehelichen Kindern das Leben geschenkt hatte, bevor sie Goethe kennenlernte. Charlotte war also Sexualität nicht fremd.

Trotz der Kinder war die Adelige eine schlanke, aparte Frau als der um 7 Jahre jüngere Goethe an den Weimarer Hof kam. Von Stein kommt zum Ergebnis, dass Goethe seine Charlotte als Liebesobjekt erwählte, um vor den vielen junge Mädchen, die ihn als Ehemann einfangen wollten, Ruhe zu haben.

Wie dem auch sei, fortan schmachtete Goethe Charlotte an. Jeder in Weimar wusste um das Glück der Turteltauben. Wie intensiv es war, zeigt sich in den Gedichten, die Goethe Charlotte schrieb. Dass Charlotte ihre Briefe nach der Trennung von Goethe nach dessen Italienreise vernichtet hat, lässt die Vermutung aufkommen, dass dort die wahre Intensität der Beziehung dokumentiert war und von Stein für immer als den faktisch Gehörnten in der Männernachwelt bloßgestellt hätte.

Stein ist im Monolog froh, dass die Beziehung zwischen Charlotte und Goethe nach der Italienreise ein Ende fand. Bei allem hat er seine Gemahlin nicht aufgehört zu lieben und zeigt sogar Verständnis für die beiden, die möglicherweise karmisch miteinander verbunden waren.

Empfehlenswert.

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Rezension:Gott im Himmel was ist Weimar für ein Paradies (Taschenbuch)

Klaus Tudyka beschreibt in diesem Buch die Stationen der Liebe zwischen Goethe und Frau von Stein, jener aparten, hochintellektuellen Weimarer Hofdame, in der Goethe seine Frau, vielleicht auch seine Schwester aus abgelebten Zeiten vermutete, weil das Seelenband keinen anderen Schluss zuließ.

Charlotte von Stein war um einige Jahre älter als Goethe, eine gepflegte, sehr schlanke Erscheinung, der man die vielen Geburten nicht anmerkte. Charlotte war keine Frau, die Affären pflegte, bevor sie Goethe kennenlernte und das, was sich zwischen ihr und dem jungen Dichter entwickelte, war weit mehr als eine Affäre. Hier begegneten sich zwei Seelenverwandte, die lange voneinander nicht lassen konnten, wissend, dass das Bekanntwerden ihrer Beziehung für Gerede sorgen, vielleicht sogar einen Skandal auslösen würde. Das konnten beide sich nicht erlauben.
Tudykas Versuch mittels eines fiktiven Briefwechsels zwischen Goethe und Frau von Stein Licht in das Dunkel dieser Beziehung zu bringen, ist meines Erachtens geglückt. Dazu muss man wissen, dass es in der Realität zwischen den beiden einen regen Briefwechsel gab und das Charlotte später ihre Briefe zurückforderte und nahezu vollständig verbrannte. Was sie dazu veranlasste, wird nach der Lektüre des Büchleins nachvollziehbar.

Wie ist es möglich, dass eine solch große Liebe am Ende doch zerbrach? Ich denke nicht, dass es nur dahingesagte Worten waren, als Goethe Charlotte möglicherweise schrieb: "Sag mir, was in Deiner schönen Seele vorgeht. Wie freu ich mich, dass ich so bin, dass Du mich lieben kannst. Ich küsse Dich mit dem Kuss der Gedanken. Täglich werde ich mehr und mehr Dein eigen. Ich kann nicht erwarten, vor Dir zu knien, Dir tausend, tausendmal zu sagen, dass ich ewig Dein bin. Du machst mir alles süße. In allen und bei allen Dingen fühl ich deine Liebe. Wie gern sag ich immer dasselbige: Liebe mich. Du meinigste! Geliebteste!" (Zitat: S. 27)...und Charlotte ihm offenbarte:"Gestern als ich Dich ganz spürte und Du mich, ward ich plötzlich eine andere, willenlos und doch ganz willenhaft, ich war Dir nahe, wie ich noch nie in meinem Leben einem Menschen nahestand, mein Herz schlug im Takt des Deinen, wir waren eins, wir wurden eins, was tot in mir war, wurd beseelt, was welkte frischlebendig. Gefühl, wie ich`s, ich schwö`rs, noch nie empfunden, bei keinem Manne."(Zitat S. 23). Tudykas fikitiver Briefwechsel macht bestens begreifbar, was sich zwischen den beiden Weimarer Protagonisten abspielte und ich bin überzeugt, dass beide bis zum Lebensende niemals mehr wirklich glücklich sein konnten, dass beide einen unglaublichen Verlust hinnehmen mussten.

Die Liebe zerbrach meines Erachtens an den Umständen, an der Tatsache, dass sie nie gelebt werden durfte. Ich vermute, dass diese Liebe stets von Schwermut belastet war, die am Ende alles erdrückte und Goethe ins sonnige Italien flüchten ließ. "Mehr Licht" hätten beide für ihre wundervolle Liebesbeziehung verdient gehabt.

Ein lesenswertes Büchlein, ganz zauberhaft.

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